Bienenbüttel: Vorsitzende der Ratsfraktionen kritisieren Fällung von Obstbäumen in Hohenbostel

Politik fordert Aufklärung

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Weil sich einige Anwohner über herumliegendes Fallobst und vermehrten Insektenflug beschwert haben, hat die Gemeinde Bienenbüttel 23 Obstbäume in Hohenbostel fällen lassen. Dafür hagelt es nun Kritik aus den Reihen der Politik. 

Hohenbostel. 114. So viele Personen haben sich laut Matthias Stelling bislang für neue Obstbäume in Hohenbostel ausgesprochen.

Stelling hat eine Online-Umfrage gestartet, nachdem die Gemeinde an einem Fußweg im Wohngebiet „Klusfeld“ 23 Obstbäume hatte fällen lassen, um diese später durch Laubbäume zu ersetzen (AZ berichtete). „Nur drei Leute haben in der Umfrage für Laubbäume gestimmt“, erzählt Matthias Stelling. Das Ergebnis ist zwar nicht repräsentativ, aber es spricht eine klare Sprache: Dass die Verwaltung die gesunden Bäume nach Anwohner-Beschwerden wegen herumliegenden Fallobstes und vermehrten Insektenflugs hat abholzen lassen, befürworten die wenigsten.

Christopher Tieding

Auch die Fraktionsvorsitzenden im Bienenbütteler Gemeinderat können die Aktion, der kein politischer Beschluss zugrunde lag, nicht nachvollziehen. „Ich finde es sehr bedauerlich“, sagt zum Beispiel Christopher Tieding (CDU). Er habe erst von der Fällung erfahren, als die Bäume schon lagen. „Ich hätte mir gewünscht, dass eine Maßnahme in dem Umfang vorher in den Gremien besprochen worden wäre“, erklärt Tieding. Die Aussage, die Maßnahme sei ein laufendes Geschäft der Verwaltung, hält er für falsch. „Das wäre es gewesen, wenn die Bäume nur gestutzt worden wären.“

Arnold Witthöft

Diese Auffassung teilt Arnold Witthöft (SPD): „Ich will nicht sagen, dass die Verwaltung alles mit uns absprechen muss.“ Doch bei Themen, die heikel werden könnten wie die Fällung von 23 Obstbäumen, sei eine öffentliche Diskussion ratsam. Gerade in Zeiten einer knappen Kasse hält Witthöft das Austauschen von alten Bäumen durch neue nicht für sinnvoll. „Da kommt eine beträchtliche Summe zusammen.“

Mathias Jeßen

Warum die Pflege der Obstbäume in Hohenbostel nicht geklappt hat, fragt sich Mathias Jeßen (KA): „Waren Verantwortlichkeiten unklar? Erwarten die Bürger die Pflege durch die Gemeinde und aus Steuermitteln?“ Er bedauere die Fällung der 23 Obstbäume und wünsche sich für die Zukunft eine größere Sensibilität im Umgang mit Baumthemen, erklärt Jeßen.

Reinhard Schelle-Grote

„Die Fällung der Obstbäume ist unverantwortlich – „sowohl das Begehren der Anwohner als auch das willfährige Verhalten der Gemeindeverwaltung“, sagt Reinhard Schelle-Grote (Grüne). Dass Fallobst und Insekten der Grund für Baumfällungen sind, sei in Zeiten, in denen ständig über Insektensterben und den Schutz der Natur gesprochen wird, nicht zu verstehen: „Es kann nicht sein, dass einige wenige ihre persönlichen Vorstellungen von pflegeleichtem Grün auf Kosten der Umwelt durchsetzen.“

Für die Politiker ist das Thema bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Während Schelle-Grotes Grüne sich erneut – wie bereits vor einigen Jahren – für eine Baumschutzsatzung stark machen wollen, fordern Tieding und Witthöft zumindest eine Aufklärung darüber, wie es zu der Fällung kam. Man könne im Arbeitskreis Flächennutzungsplanung über Baumthemen sprechen, schlägt Jeßen vor. Für Witthöft und Schelle-Grote steht zudem fest: „An gleicher Stelle müssen wieder Obstbäume gepflanzt werden.“

Tieding befürchtet, dass mit der Aktion in Hohenbostel ein Präzedenzfall geschaffen wurde: „Mit welchen Argumenten wollen wir bei späteren Beschwerden eine Fällung ablehnen?“ Es gibt viel Redebedarf.

Von Florian Beye

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