Landgericht Lüneburg: Komplize will versucht haben, einen Ehrenmord zu verhindern – und lieferte Waffe

Die Pistole lag auf dem Bistro-Tisch

+
In Handschellen wird Ferid K. ins Landgericht Lüneburg geführt. Nach dem Schuss auf einen Autohändler in Wietze, bei dem es um die Schwester des Angeklagten ging, hat die Familie dem Opfer 30 000 Schmerzensgeld überwiesen.

Lüneburg. „Ja, so war das. “ Mit diesen Worten beendet Salvatore G. seine Aussage im Landgericht Lüneburg. Der 41-Jährige räumt auch ein, die Tatwaffe besorgt zu haben, mit der Ferid K. (20) im Juli vorigen Jahres auf einen Autohändler in Wietze geschossen hat – möglicherweise ein versuchter Ehrenmord.

Mitangeklagter Salvatore G. will vorgehabt haben, die Munition aus der Maschinenpistole zu nehmen.

G., mit beiden befreundet, schildert, wie der 47-Jährige eine Beziehung mit der 25-jährigen Schwester von K. aufnimmt. Die muss jedoch vor der Familie geheim gehalten werden. Warum er hierfür die Maschinenpistole auf einem Bistrotisch vor dem Autohaus bereitlegt und wofür er eigens die Überwachungskamera wegdreht, dafür hat der Mitangeklagte eine eigene Erklärung. Beiden Angeklagten wird auch ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Nach seiner beredten Schilderung ist G. der ältere Freund, der den in Deutschland geborenen jesidischen Kurden vor Dummheiten bewahrt. Etwa als der ein Messer in die Disko mitnimmt, weil seine Ex einen neuen Freund hat. Er habe ihm das Messer abgenommen, erzählt G. „Eine super Freundschaft“, fügt er redselig hinzu.

Auch als Ferid K. den Autohändler töten wollte, habe er versucht, das Schlimmste zu verhindern. „Ob man das nicht anders regeln könne“, habe er ihn gefragt, „ein paar Ohrfeigen und paar reinhauen.“ Die Waffe, die dem Opfer gehörte und die er aus dem ihm bekannten Versteck nahm, habe nur als Drohkulisse dienen sollen. Er habe die Waffe vor dem verhängnisvollen Treffen entladen.

Ferid K., Bart, weißes Hemd, lässt seinen Verteidiger Dr. Holger Nitz mitteilen, er sei nach dem ersten Zusammentreffen mit seinem späteren Opfer unter dem Vorwand, eine Zigarette rauchen zu wollen, aus dem Autohaus gegangen. Weil der Händler ihm jedoch folgte, „hatte ich keine Zeit mehr zu überlegen.“ Laut Staatsanwaltschaft schießt er aus einem Meter Entfernung auf seinen Freund.

Trotz eines Brustdurchschusses, von dem auch die Lunge betroffen ist, gelingt es dem lebensgefährlich verletzten Mann, sich wieder zu erheben, den Angreifer anzuschreien und zu schlagen, woraufhin Ferid K. flüchtet. G. drückt mit der Hand auf die Wunde, um den Blutfluss zu stoppen.

Er stützt die Auffassung der Staatsanwaltschaft Celle, dass es sich um einen versuchten Ehrenmord handelt. Treibende Kraft sei der ältere Bruder von Ferid K. gewesen, betont G. auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Thomas Wolter. Dieser habe klargestellt, dass die Verbindung einer Jesidin mit einem Deutschen nicht möglich sei. „Und dass die Jesiden einen ganz alten Glauben hätten und dass der Bräutigam von der Familie ausgesucht wird.“ Am Tattag hatte Ferid K. nach Aussage seines Verteidigers reichlich Kokain konsumiert.

Im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs hat die Familie dem Händler, der inzwischen mit der Jesidin verheiratet ist, insgesamt 30 000 Euro gezahlt. „Er hofft, dass das Opfer die seelischen und körperlichen Folgen bewältigen kann“, betont Anwalt Nitz.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare