Ein Pferd auf dem Bienenbütteler Reiterhof ist an dem hochansteckenden Virus erkrankt

Pferde-Herpes in „Stiller Heide“

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Das Frühjahr ist die Zeit der Herpesviren bei Pferden. 85 bis 90 Prozent aller Pferde in Deutschland sind ohnehin latent infiziert. Nun ist auch im Landkreis Uelzen ein Pferd akut erkrankt.

Bienenbüttel. Ein Pferd auf dem Hof „Stille Heide“ bei Bienenbüttel ist an Herpes erkrankt. Das bestätigt die betroffene Stallbetreiberin Friederike Franke auf AZ-Anfrage. „Das einzige Symptom des Pferdes war Fieber“, erklärt Franke.

Das mit Krankheitssymptomen betroffene Tier sei sofort von den übrigen isoliert worden, stehe nun in einer Quarantäne-Box.

„Das Frühjahr ist die Zeit der Herpesviren“, erklärt eine Lüneburger Tierärztin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Im Frühling seien die Pferde oftmals immungeschwächt durch den Fellwechsel. Grundsätzlich können Pferde unterschiedlich stark an Herpes erkranken, gerade das Virus EHV-1 – neben dem EHV-4 das häufigste Pferdeherpes-Virus in Deutschland – könne mutieren und durchaus zum Tod eines Tieres führen, erklärt die Tiermedizinerin. Viele Pferde tragen das Virus in sich, scheiden es aber nur aus, wenn sie immungeschwächt sind. Die Herpes-Infektion ist hochansteckend. Zuletzt waren Ende Februar Herpes-Fälle auf einem Hof in Luhmühlen bekannt geworden.

Mittlerweile sei das erkrankte Pferd in der Stillen Heide auf dem Weg der Besserung, das Fieber sei verschwunden, und auch die übrigen Pferde seien symptomfrei, erklärt Franke. Für die nicht akut betroffenen Pferde hat sich im Tagesablauf wenig verändert. Da sich in der Nähe der Stillen Heide keine weiteren Reiterhöfe befinden, dürfen die Pferde weiter auf die Weide. Für diejenigen, die den Stall betreten, bedeutet die Infektion: regelmäßig Hände desinfizieren, nach jedem Betreten die Klamotten wechseln und nicht ohne Desinfektion von Pferd zu Pferd gehen.

Aufgefallen war die Herpes-Erkrankung rein zufällig, erzählt Friederike Franke: „Die Einstellerin hatte den Eindruck, dass das Pferd schlapp und kaputt sei, und hat deshalb Fieber gemessen.“ Weil das Herpesvirus derzeit vielerorts grassiert, habe der behandelnde Tierarzt eine Tupferprobe genommen. Und die brachte dann die Gewissheit.

In Deutschland hatten laut Veterinäramt des Landkreises Uelzen etwa 85 bis 90 Prozent aller Pferde Kontakt mit einem equinen Herpesvirus. Weltweit seien rund 60 Prozent aller Pferde latent mit EHV-1 und/oder EHV-4 infiziert. Eine Infektion von Pferden ist nach dem deutschen Tierseuchenrecht weder anzeige- noch meldepflichtig. Für Menschen ist das equine Herpesvirus ungefährlich.

Wie das Virus beziehungsweise die akute Infektion in ihren Stall gelangt ist, weiß Friederike Franke nicht: „Wer es mitgebracht hat, wird man nie herausfinden.“ Unter denjenigen, die auf ihrem Hof Pferde einstellen, seien viele ambitionierte Turnierreiter. „Die kommen halt viel rum“, sagt Franke.

Von Florian Beye

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