Seit Jahren Ärger mit den Zügen: Runder Tisch versucht, Antworten zu geben

Pendlerfrust am Bahnsteig in Bienenbüttel

Donnerstagmorgen, 8.16 Uhr, am Bienenbütteler Bahnhof: Der Metronom in Richtung Hamburger Hauptbahnhof ist pünktlich. Die Fahrgäste – größtenteils Berufspendler – sind erleichtert. Denn häufig müssen sie Verspätungen hinnehmen.
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Donnerstagmorgen, 8.16 Uhr, am Bienenbütteler Bahnhof: Der Metronom in Richtung Hamburger Hauptbahnhof ist pünktlich. Die Fahrgäste – größtenteils Berufspendler – sind erleichtert. Denn häufig müssen sie Verspätungen hinnehmen.

Bienenbüttel/Lüneburg – Viertel nach Acht am Donnerstagmorgen am Bienenbütteler Bahnhof: Rund 25 Personen warten auf den Metronom, der in einer Minute Richtung Lüneburg und Hamburg abfahren soll. Viele von ihnen sind Berufspendler, einige schauen schon nervös auf die Uhr.

Dann die erlösende Durchsage: Einfahrt auf Gleis eins, Metronom nach Hamburg Hauptbahnhof, Abfahrt 8.16 Uhr. Der Zug ist pünktlich.

Dass das keinesfalls immer so ist, weiß wohl jeder Bahnpendler in der Region. Auf die Frage, ob sie schon einmal wegen einer Zugverspätung zu spät zur Arbeit gekommen sei, antwortet eine junge Frau: „Ja, schon häufiger.“ Als Friseurin in Lüneburg habe sie oftmals direkt morgens Termine. „Wenn die Kundin pünktlich ist, ich es aber nicht bin – das ist echt ärgerlich“, moniert sie und berichtet von im Schnitt einer Zugverspätung pro Woche. Im Sommer. Im Winter komme es häufiger vor und auch zu Ausfällen.

Erst seit dem 1. August wohne er in der Region, erzählt ein junger Mann, der sein Fachabitur in Winsen macht und jeden Tag den Metronom nutzt. Viermal sei es in dieser Zeit zu Verspätungen gekommen. Er nimmt nun in der Regel einen Zug früher, um pünktlich in die Schule zu gelangen.

Thema beschäftigt Zugfahrer seit Jahren

Die (Un)Zuverlässigkeit der Bahn in der Region ist seit Jahren ein Ärgernis für Pendler. Das wissen auch Dr. Julia Verlinden, Grünen-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Lüneburg, und ihr Landtagskollege Detlev Schulz-Hendel. Beide hatten deshalb für Mittwoch zu einem Runden Tisch mit Akteuren aus der Bahnbranche ins Gut Wienebüttel in Lüneburg eingeladen – und viele Interessierte waren der Einladung gefolgt. Diese konnten über einen Link ihre Fragen während der Podiumsdiskussion digital einbringen. 36 Zuhörer taten dies. Aus Zeitmangel schafften es aber nur wenige tatsächlich in die Diskussion mit den Experten.

Warum die Infos über Verspätungen oder Ausfälle oft kurzfristig und damit häufig viel zu spät kommen, wollte ein Zuhörer wissen. „Plus fünf Minuten, plus zehn, Ausfall. Das kommt leider häufiger vor“, gab Thorsten Frahm, technischer Geschäftsführer des Metronom, zu und erklärte: „Der Lokführer meldet eine Störung und versucht zunächst selbst alles, um diese zu beheben.“ Für den Fernverkehr mit dem ICE bestätigte Cay Lienau, Qualitätsbeauftrager der Deutschen Bahn, dieses Vorgehen. Daher komme es dazu, dass sich die Verspätungszeit verlängert und der Zug gegebenenfalls ganz ausfällt. „Wir brauchen mehr Züge“, betonte Frahm. Die Entscheidung darüber liege aber bei der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG).

Instandsetzung liegt nicht beim Metronom

Wie es sein könne, dass ein ganzer Zug wegen einer Türstörung ausfällt, war die nächste Frage. Das Türsystem im Zug sei wie ein Stromkreis, erläuterte der Metronom-Geschäftsführer: „Erst wenn alle Türen geschlossen sind, kann und darf der Lokführer losfahren.“

Wie schnell können Schäden behoben werden? – so fasste Julia Verlinden nach. Und die Reaktion von Frahm zeigte eines der Probleme auf: „Ich kann diese Frage nicht beantworten.“ Denn beim Metronom selbst habe man keine Expertise in der Instandsetzung. Der Vertrag für diese besteht zwischen der LNVG und einem Dienstleister. „Wir können also nicht mal Druck ausüben, weil wir nicht der Vertragspartner sind“, sagte Frahm. „Das halte ich für einen Fehler.“

Man habe auch die LNVG zu dem Runden Tisch eingeladen, betonte Verlinden mehrfach. „Aber die wollten nicht kommen.“ Am Ende des Abends blieben viele Fragen offen und Verlinden versicherte, sie werde das Thema „mit viel Rückenwind“ auch noch einmal mit nach Berlin nehmen. VON FLORIAN BEYE

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