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Patrizia Jaster aus Bienenbüttel ist bei der Meerschweinchen-Nothilfe Hamburg aktiv

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Von: Jannis Wiepcke

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Patrizia Jaster sitzt in einem der großen Meerschweinchen- Gehege in ihrer Wohnung
Patrizia Jaster sitzt in einem der großen Meerschweinchen- Gehege in ihrer Wohnung. Ein handelsüblicher Käfig wird dem Platzbedarf der Tiere nicht gerecht. © Wiepcke, Jannis

Meerschweinchen werden oftmals als anspruchslose und kinderfreundliche Einsteigertiere dargestellt – dabei gibt es laut Patrizia Jaster viele Aspekte, die bei der Haltung bedacht werden müssen. Die Bienenbüttelerin ist für den Verein Meerschweinchen-Nothilfe Hamburg aktiv.

Bienenbüttel - Wer sich einen Hund oder eine Katze zulegen möchte, informiert sich in der Regel vorher bei den Züchtern, wälzt Ratgeber und klickt sich im Internet durch Rasseporträts. Aber bei Nagetieren? Da lassen potenzielle Halter die nötige Sorgfalt oft vermissen – sehr zum Leidwesen von Patrizia Jaster. Die Bienenbüttelerin ist ehrenamtlich für die Meerschweinchen-Nothilfe Hamburg im Einsatz. Mit ihrem Verein macht sich Jaster vor allem für einen verantwortungsvollen und artgerechten Umgang mit den Kleinsäugern stark.

Die richtige Zusammensetzung der Gruppen, das richtige Futter und die richtige Pflege sind nur einige der Punkte auf einer langen Liste von Verpflichtungen, der Jaster zufolge die wenigsten Halter nachkommen. „Die Leute holen sich ein Meerschweinchen für zehn Euro, aber sie denken nicht an den ganzen Rest“, macht die Bienenbüttelerin ihrem Ärger Luft. Allein für artgerechtes Futter, das aus Heu, Gräsern und Bittersalaten bestehe, müsse man im Monat rund 30 bis 35 Euro ausgeben – da seien Tierarzt- und Pflegekosten sowie das richtige Zubehör noch nicht mit einberechnet.

Das weitverbreitete Unwissen der Halter führt dann dazu, dass die zwei weitläufigen Gehege in der Wohnung und das Außengehege eigentlich permanent mit Meerschweinchen besetzt sind, die Jaster zuvor aus zum Teil „schlimmsten Verhältnissen“ retten muss, wie sie selbst sagt.

Zurzeit beherbergt die Bienenbüttelerin neun Tiere, sie hat aber noch Platz für deutlich mehr: Manche von ihnen sind bei ihrer Ankunft völlig vermilbt und haben viel zu lange Krallen, andere wurden zuvor nur mit Trockenfutter ernährt oder im Käfig gehalten. Es gibt aber auch „Diabetikerschweinchen“ oder Exemplare wie „Sir Henry“, den Jaster davor bewahrt hat, als Lebendfutter im Zoo zu enden.

Die vernachlässigten Tiere werden von der Bienenbüttelerin und den anderen rund fünfzehn Mitgliedern des Vereins aus ihrer misslichen Lage befreit, zu Hause aufgepäppelt, im Bedarfsfall kastriert und anschließend nach ausführlicher Beratung weitervermittelt – ein echter „Full-Time-Job“, dem Jaster nur nachgehen kann, weil sie hauptberuflich im Homeoffice arbeitet.

Am wichtigsten ist für sie jedoch, dass es den Tieren gut geht. Und bei der richtigen Pflege in ausreichend großen Gruppen darf sie als Belohnung auch sehr interessante Verhaltensweisen beobachten. „Meerschweinchen sind sehr sozial, eigentlich kommunizieren sie den ganzen Tag miteinander“, berichtet die Bienenbüttelerin beispielsweise.

Auf Jasters Instagram-Seite meerie_notstelle_bienenbuettel gibt es viele Hintergrundinformationen und Beratungsangebote für angehende Meerschweinchenhalter. Interessierte erfahren unter anderem, warum weibliche Meerschweinchen nicht in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden dürfen, wieso ein handelsüblicher Käfig aus der Zoohandlung nicht für die Haltung der Tiere ausreicht und von welchen Erkrankungen die Kleinsäuger häufig betroffen sind. Das Notfall-Team der Meerschweinchen-Nothilfe Hamburg ist unter der Telefonnummer (0 40) 28 05 15 40 von montags bis sonntags ab 11 Uhr und bis Mitternacht erreichbar.

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