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Mit Postauto „Trude“ durch Wüstensand und Steppe

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Von: Theresa Brand

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Mit ihrem Postauto „Trude“ sind Patrick Hartig und Marcus Porip drei Wochen lang durch Afrika bis nach Gambia gefahren. Das Abenteuer ist für den guten Zweck.
Mit ihrem Postauto „Trude“ sind Patrick Hartig und Marcus Porip drei Wochen lang durch Afrika bis nach Gambia gefahren. Das Abenteuer ist für den guten Zweck. © Privat

Mit ihrem gelben ausgebauten Postauto „Trude“ sind Patrick Hartig und Marcus Porip drei Wochen lang durch Afrika bis nach Gambia gefahren. Das Abenteuer diente dem guten Zweck.

Bienenbüttel/Vastorf/Bleckede - Nach langem Bangen und Hoffen wurde der Traum von Patrick Hartig und Marcus Porip doch noch Wirklichkeit: Im April starteten die beiden Abenteurer mit ihrem Postauto „Trude“ Richtung Afrika, um an einer Wohltätigkeitsrallye teilzunehmen.

Es ist der 16. April und endlich geht es los: Das Auto ist bepackt und auf geht´s. Die kommenden Wochen werden Patrick Hartig und Marcus Porip mit einem ausgebauten gelben Postauto verbringen. Von Vastorf geht die Strecke über Frankreich nach Algeciras in Spanien, um von dort mit der Fähre nach Marokko überzusetzen. Weiter geht es dann Richtung Marrakesch und Atlasgebirge.

„Hinter jeder Kurve wartet etwas Neues“

„Es war traumhaft“, erzählt Patrick Hartig und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Für ihn war das Atlas-Gebirge einer der Höhepunkte der Tour. „Die Landschaft ist wunderschön, das Fahren ist anspruchsvoll und hinter jeder Kurve wartet etwas Neues“, sagt er begeistert. Danach wurde es erst einmal sandig: Die Westsahara besteht überwiegend aus Steppe, Sand und einer Straße, auf der „ordentlich Kilometer geschrubbt“ werden können.

Mittlerweile sind die beiden Abenteurer auch nicht mehr alleine mit ihrer Trude. Ab Marokko fahren sie gemeinsam mit anderen Teilnehmern der Rallye, deren Ziel die Hauptstadt von Gambia ist. Die Stimmung untereinander ist gut, auch Patrick Hartig und Marcus Porip verstehen sich bestens. Im Team hilft man sich gegenseitig bei Pannen – und die kommen bei vielen Fahrzeugen vor, doch Trude schlägt sich bis zum Ende tapfer und gelangt am Ende als nahezu einiges Auto ohne Schwierigkeiten ans Ziel.

„Wir waren komplett aus der Zivilisation raus“

„Ich hätte nie gedacht, dass das geht“, sagt Patrick Hartig lachend. Schließlich ging es nach der Einreise nach Mauretanien in die Sahara, ohne Straßen und Wege. „Wir waren komplett aus der Zivilisation raus“, erzählt er. Gefahren wird auf Sand und Muschelfeldern; anscheinend war hier vor Urzeiten ein Meer, vermuten die Fahrer. Mit insgesamt 15 Autos fahren die Teilnehmer und Organisatoren im Konvoi fünf Tage ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt, begleitet von einheimischen Guides.

Und es bleibt weiterhin sandig: Zwei Tage lang führt die Route direkt am Strand von Mauretanien entlang. Schließlich erreichen alle die Hauptstadt und können sich erst mal den Sand abwaschen. Doch die Pause währte nicht lang, denn als Nächstes geht die Reise in den Senegal. Patrick Hartig berichtet, dass es spürbar grüner wird. Außerdem werden die Straßen wieder etwas befestigter und beim Besuch der Märkte in der Hauptstadt kommen die Teilnehmer aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Alle Autos für einen guten Zweck versteigert

Die letzte Etappe führt durch Gambia. Ziel ist die Sukuta, in der dann der eigentliche Zweck der Rallye erfüllt wird: Alle Autos werden für einen guten Zweck versteigert. Das war ein weiterer Höhepunkt für Patrick Hartig: „Am Ende haben wir die Projekte gesehen, die mit dem Geld finanziert werden.“ Die Dresden-Banjul-Organisation, die die Rallye 2006 ins Leben gerufen hat, unterstützt damit direkt vor Ort verschiedene Projekte, beispielsweise Schulen oder eine Ausbildungswerkstatt für Mechaniker.

Bei der Versteigerung selbst geschieht noch etwas Unerwartetes. Weil ihm die Gebote nicht hoch genug sind, ersteigert er „Trude“ am Ende selbst. Für 3 400 Euro bleibt das lieb gewonnene Gefährt also bei seinem Besitzer und das Geld geht komplett an die Projekte. Und eins ist jetzt schon sicher – dies war nicht die letzte Rallye. In zwei oder drei Jahren wollen Marcus Porip und Patrick Hartig wieder mit dabei sein. Mit ihrer Begeisterung haben sie mittlerweile schon Bekannte angesteckt.

„Nach der Rallye ist vor der Rallye“

Ihre komplette Reise kann auch im Internet genau verfolgt werden, denn die beiden haben ein Reisetagebuch auf Facebook veröffentlicht. Außerdem wollen sie einen Infoabend veranstalten und versuchen, ihre Erfahrungen weiterzugeben. „Unsere Absicht war es, Minimalismus, Abenteuer und einen guten Zweck zu verbinden, und das ist absolut gelungen.“

So eine Reise verändere die Sichtweise, sagt Patrick Hartig. Die Leute sollten öfter über den Tellerrand schauen, den Horizont erweitern und so die eigene Lage mehr wertschätzen lernen. Für ihn steht fest: „Nach der Rallye ist vor der Rallye.“

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