Wählergemeinschaften im Landkreis prüfen, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellen

„Ohne Parteibuch in den Landtag“

Werden die Unabhängigen Wählergemeinschaften aus dem Landkreis Uelzen am 14. Januar auf den Wahlzetteln der Landtagswahl stehen? In einer Woche entscheiden die Mitglieder. Archivfoto: dpa 04
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Werden die Unabhängigen Wählergemeinschaften aus dem Landkreis Uelzen am 14. Januar auf den Wahlzetteln der Landtagswahl stehen? In einer Woche entscheiden die Mitglieder.
  • Gerhard Sternitzke
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Bienenbüttel. „Sie brauchen 100 Unterschriften und fertig“, sagt Klaus-Georg „Pilo“ Franke, Sprecher der Kreis-UWG.

Die Unterstützer, die notwendig sind, um einen eigenen Kandidaten in die Landtagswahl zu schicken, hätte die Unabhängige Wählergemeinschaft schnell zusammen – zählen doch UWG (Kreistag und Ebstorf), FBE (Ebstorf), KA (Bienenbüttel), WGA (Aue), WBB (Bevensen) und WSL (Suderburg) schon knapp 30 Mandate. Ob die Wählergemeinschaften im Landkreis Uelzen und in der Samtgemeinde Ilmenau einen eigenen Landtagskandidaten aufstellen, entscheiden sie am nächsten Dienstag, um 19. 30 Uhr im Unteren Krug in Ebstorf.

Klaus-Georg „Pilo“ Franke.

„Es gibt eine Politikverdrossenheit, die ich eher eine Parteiverdrossenheit nenne“, erklärt der Bienenbütteler Lokalpolitiker. „Wenn soundsoviele Kandidaten, ohne gewählt zu sein, ins Parlament kommen, hat das mit Demokratie wenig zu tun“, findet Franke – und korrigiert sich: „Mit Demokratie schon, aber es ist ein bisschen langweilig.“ Auch in anderen Ländern – siehe Frankreich – hätten Kandidaten ohne Partei im Rücken eine Chance.

„In den Landtag ohne Parteibuch“, so fasste es Dierk „Kuddel“ Pellnath von der Wählergemeinschaft Suderburg vor einer Woche in Langenbrügge zusammen. Dort war die Idee einer eigenen Kandidatur aufgekommen. „Wir als UWG haben bei der letzten Kommunalwahl unsere Zustimmung deutlich steigern können. Warum sollten wir den Schritt zur Landtagswahl nicht versuchen?“, meinte Heiko Senking, UWG-Bürgermeister in Ebstorf. Es gibt sogar mehrere Interessierte. Die Namen nennt Franke nicht. Der 63-Jährige selbst schließt eine Kandidatur aus. „Ich bin mit der Arbeit und organisatorisch ausgelastet – und das Alter spielt auch eine Rolle“, betont der Bienenbütteler. „Es sollen jüngere UWG-Leute ran.“

Zu sagen hätten die Parteiungebundenen auch in Hannover etwas, ist Franke überzeugt: „Programmpunkte haben wir noch nicht entwickelt, aber grundsätzlich sind wir für eine Stärkung der Kommunen. Wir sind dafür, wenn an höheren Orten was beschlossen wird, dass dann auch das Geld fließt“, so Franke. „Ein Beispiel ist die Beitragsfreiheit für Kindergärten. Wenn man die Musik bestellt, muss man sie auch bezahlen.“

Das sind Positionen, wie sie auch die Freien Wähler vertreten, die mit Mandaten im Bayerischen Landtag und im Europaparlament vertreten sind. Für die Wählergemeinschaften im Kreis ist eine Unterstützung keine Option. „Weil die FW auch eine Partei ist“, wie Franke klarstellt. „Die Wählergemeinschaften wollen in keine Partei.“

Wenn die Mitglieder sich in Ebstorf für das Wagnis Landtagswahl entscheiden, dann wird es am 20. Juli eine offizielle Wahlveranstaltung für den Kandidaten geben. Die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen endet am 6. November. Pilo Franke ist schon jetzt überzeugt: „Der Landkreis wird mehr wahrgenommen, als wenn ein Vertreter einer Partei gewählt wird.“

Von Gerhard Sternitzke

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