Edendorfer Jugendwehr hat ihren eigenen Wagen / Ortsbrandmeister wünscht sich Ersatz für Oldtimer

Im Notfall schieben sie ihn an

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Die Edendorfer Jugendfeuerwehr mit ihrem 37 Jahre alten Mannschaftswagen und ihrem eigenen Feuerwehrhaus. Rechts Ortsbrandmeister Ronald Müller und der stellvertretende Jugendwart Jan Fröhlich.

Edendorf. Der Anlasser nudelt einige Runden, dann springt der Motor stotternd an. Der stellvertretende Jugendwart Jan Fröhlich muss ein paar Mal Gas geben, bis der betagte Benziner rund läuft.

Dann rollt der rote Kastenwagen aus der niedrigen Garage im alten Edendorfer Feuerwehrhaus heraus, eine Wolke hinterlassend – den Duft des Jahrs 1980. Er fährt immer noch, der ausrangierte Mannschaftswagen der Jugendfeuerwehr Edendorf, aber der Zahn der Zeit nagt an dem VW-LT.

„Wir haben ihn schon viermal angeschoben“, erzählt der 17-jährige Paul. „Es passen viele Leute rein, und es ist Nostalgie pur.“ In dem früheren Mannschaftstransportwagen der Kreisfeuerwehr, den die Jugendwehr 2003 übernommen hat, geht es zu Wettkämpfen, zu Zeltlagern und Ausflügen oder auch mal ins Kino. Manchmal, wenn die aktiven Feuerwehrleute nicht alle ins Auto passen, startet der Oldtimer auch noch zu „echten“ Löscheinsätzen.

Die Jugendwehr ist froh, ein eigenes Domizil im alten Feuerwehrhaus und ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, sagt Ortsbrandmeister Ronald Müller. Aber es wird immer schwieriger, den 37 Jahre alten den eckigen Kleinlastwagen, der erst 99 000 Kilometer auf der Uhr hat, fahrbereit zu halten. Gerade hat Gerätewartin Judith Misselhorn den Veteran noch einmal durch den Tüv bekommen. Dazu verpasste sie ihm einen neuen Auspuff und schweißte ein Rost-Loch im Boden.

„Der nächste Schaden würde das Aus bedeuten, wenn wir ihn nicht mehr mit eigenen Mitteln reparieren können“, ist Ortsbrandmeister Müller überzeugt. Deshalb würde er sich einen Ersatz für die Jugendfeuerwehr wünschen. „Wir haben 15 Kinder. Wie sollen wir zum Einsatz fahren?“, gibt Jugendwart Jan Iwert zu bedenken. Allerdings ist klar, dass Anschaffungen für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Vorrang haben.

Auch im Domizil der Jugendfeuerwehr, dem alten Edendorfer Feuerwehrhaus, ist einiges zu tun. 2009, nach dem Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses, hat sich der Feuerwehrverein gegründet und den Bau von 1906 mit Gemeindemitteln renoviert. Die Fahrzeughalle wurde isoliert, der alte Schlauchturm neu verbrettert. Gerade erst musste das Dach repariert werden, nachdem ein Ast darauf gestürzt war. Den Schaden zahlte die Versicherung. Jetzt steht die Heizung an, berichtet Müller, der auch Vorsitzender des Fördervereins ist. Kostenpunkt: 3000 Euro.

In ihrem Haus fühlen sich die Jugendfeuerwehrleute im Alter von neun bis 17 Jahren wohl. „Man ist hier unabhängig“, sagt Paul. Vielleicht gehören das eigene Domizil und das eigene Haus auch zum Erfolgsrezept der 1978 gegründeten Edendorfer Jugendwehr. Unter zehnjährige Kinder werden durch die Schnuppermitgliedschaft an die Feuerwehr herangeführt. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Die Edendorfer Feuerwehr hat im Moment keine Nachwuchsprobleme. Gerade konnte Ronald Müller vier Jugendfeuerwehrleute in den aktiven Dienst übernehmen.

Von Gerhard Sternitzke

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