Vor 45 Jahren wurden vier Lüneburger Dörfer zur Gemeinde Bienenbüttel geschlagen

Als Niendorf den Kreis wechselte

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Ortsvorsteher Cord-Wilhelm Müller (rechts) mit dem alten Niendorfer Ortsschild. 1972 wollten die Niendorfer beim Landkreis Lüneburg bleiben, erinnert sich Heinrich Burmester. „Aber Protest, das haben wir noch nicht gemacht.“

Bienenbüttel-Niendorf. „Niendorf, Kreis Lüneburg“, so steht es fein säuberlich in schwarzen Lettern auf gelbem Grund. Das Holzschild stand am früheren Schmiedeweg nach Wulfstorf – und wurde abseits der heutigen Straßen vergessen.

Gestern holte Ortsvorsteher Cord-Wilhelm Müller das Relikt aus der Scheune. Es erinnert daran, dass Niendorf, Wulfstorf, Hohenbostel und Grünhagen erst seit 1972 zum Landkreis Uelzen gehören. Erst seit der niedersächsischen Gebietsreform vor 45 Jahren gibt es auch die Gemeinde Bienenbüttel in ihrer heutigen Form.

„Die Mehrzahl der Bewohner war für Lüneburg“, erinnert sich Müllers Nachbar Heinrich Burmester. Man kritisierte, dass die neue Kreisstadt weiter entfernt war. „Aber Protest“, sagt der 75-Jährige, „das haben wir noch nicht gemacht.“ Zudem die Niendorfer ohnehin auf Bienenbüttel ausgerichtet waren. Hier gingen die Kinder zur Schule, hier kaufte man ein, hier war die Kirche.

Vergessen sind die erbitterten Debatten, die der Gebietsreform vorausgingen, verloren doch viele kleine Gemeinden wie Niendorf ihre Selbstständigkeit. „Es gab in den Ortsteilen Vorbehalte, weil manche in die Gemeinde Geld mitgebracht hatten“, erinnert sich Altbürgermeister Dieter Holzenkämpfer, der 1973, ein Jahr nach der Reform, im alten Bienenbütteler Rathaus seinen Dienst als stellvertretender Gemeindedirektor antrat. Trotzdem waren die Gegensätze schnell überwunden, so Holzenkämpfer: „Die Zusammenarbeit war gut, weil die Ortsteile im Gemeinderat mehr vertreten waren als der Kernort.“ Im Rückblick habe sich die Fusion gelohnt. Die Einzelgemeinden wären nicht überlebensfähig gewesen. Durch die Eingemeindung der vier Lüneburgischen Dörfer wurde eine Einwohnerzahl von 6000 Menschen erreicht – gerade genug für eine eigenständige Kommune.

1972 waren die Bienenbütteler im Landkreis Uelzen die Einzigen, die eine Einheitsgemeinde bildeten, also auf die Samtgemeinde mit Ortsräten verzichteten. Im ersten Gemeinderat saßen nach Holzenkämpfers Erinnerung vor allem die ehemaligen Ortsbürgermeister.

Dass man gemeinsam mehr erreicht, diese Erkenntnis hatte sich rund um Bienenbüttel schon früher durchgesetzt. 1966 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bargdorf, Beverbeck, Edendorf, Eitzen I, Hohnstorf und Wichmannsburg mit Bienenbüttel zur Samtgemeinde Bienenbüttel zusammen. 1967 folgte Steddorf.

Ich bin im Landkreis Uelzen groß geworden“, meint Ortsvorsteher Müller (46). Dennoch sind die 95 Niendorfer überwiegend nach Lüneburg orientiert. Ein Detail ist von der Gebietsreform geblieben: Anders als Niendorf I bei Altenmedingen und Niendorf II bei Wrestedt hat das Niendorf in der Gemeinde Bienenbüttel keine Nummer.

Von Gerhard Sternitzke

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