Im Dorfgespräch erzählt Fotograf Bernd Uhde von der aufregenden Suche nach der Heimat

Wie aus Neuseeland Eitzen wurde

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„Inzwischen sind wir hier so fest verwurzelt wie die Bäume, die wir gepflanzt haben“, sagt Bernd Uhde (Mitte) über Eitzen I im Dorfgespräch mit Loni Franke und Björn Pamperin.

Bienenbüttel. Es hätte nicht viel gefehlt und das Leben des Filmemachers und Fotografen Bernd Uhde, der für seine Landschaftsaufnahmen aus der Luft weltweit bekannt ist, hätte 1983 einen ganz anderen Verlauf genommen.

Er und seine Frau Tina wollen nach Neuseeland auswandern, um dort Touren für Touristen mit dem Pferd oder dem Kanu anzubieten.

„Das Grundstück war schon ausgesucht“, berichtet Uhde im Dorfgespräch mit Loni Franke und Björn Pamperin. Stattdessen landen sie auf einem alten Hof in Eitzen I. „Inzwischen sind wir hier so fest verwurzelt wie die Bäume, die wir gepflanzt haben. “.

Doch wieso wollten der in der Nähe Düsseldorfs geborene Uhde und seine Frau überhaupt auswandern? Entstanden ist die Idee laut Uhde auf einer neunmonatigen Tour auf dem Pferderücken durch Neuseeland. Sie hätten ein Jahr Auszeit machen wollen von West-Berlin. Dort leben die beiden damals gemeinsam im dritten Stock eines alten Fabrikgebäudes in Kreuzberg.

Uhde kommt in den 60er Jahren nach Berlin, um dort Malerei an der Kunsthochschule zu studieren und anschließend Film und Regie und war mittendrin in der Studentenbewegung. „Es war die Zeit von Sex, Drugs und Rock’n’Roll, dem konnte man sich nicht entziehen“, erinnert sich Uhde. Man sei gegen das Establishment gewesen, habe Wohngemeinschaften gegründet und alte Zöpfe abgeschnitten. Die Zeit in Berlin habe ihn geprägt und vieles von dem, was heute als normal empfunden wird, habe man damals erkämpft.

Dann die neunmonatige Auszeit in Neuseeland. „Wir hatten uns das wie in der Marlborough-Werbung vorgestellt und sind mit Saxophon und Gitarre nach Neuseeland geflogen“, berichtet Uhde. Diese Vorstellungen werden ihnen von der neuseeländischen Version Lucky Lukes nach der Landung in Auckland schnell ausgetrieben. Saxophon, Gitarre und Bücher werden vor der Tour aussortiert. „Es blieben Cowboystiefel, eine Jeans, zwei Paar Unterwäsche und eine warme Jacke“, berichtet Uhde. Und so machen sie sich mit drei Pferden und einem Zelt auf den Weg. „Es ist ein langsamer Rhythmus mit den Pferden. Man schmeckt, riecht und sieht die Natur wieder und hört etwa den Bach wieder plätschern“, sagt Uhde. Für die Neuseeländer seien sie die beiden verrückten Deutschen gewesen. Nach neun Monaten, mehreren gebrochenen Rippen bei Uhde und einem gebrochenen Arm bei seiner Frau macht der Winter der Tour auf der Südinsel bei Christchurch ein Ende. Sie kehren nach Deutschland zurück, mit dem Plan, nach Neuseeland auszuwandern. Doch der Kauf des Grundstücks platzt und es geht zurück nach West-Berlin.

„Das war ein Kulturschock. Ich habe das erste Mal gemerkt, wie sehr eine Großstadt stinkt“, sagt Uhde. Der Entschluss reift, aufs Land zu ziehen. Irgendwo zwischen Bremen, Hamburg und Hannover soll das neue Heim liegen, weil beide weiterhin in West-Berlin arbeiten. Ihr späterer Hof ist nicht auf der Liste, ein Freund gibt einen Tipp. Den Zettel mit der Adresse steckt sich Uhde ins Hemd. Er erinnert sich bei der Besichtigung eines Hofes in Eitzen an die Notiz. Spontan schauen sie sich den Hof an und entschließen sich zum Kauf. Mit Freunden werden die Gebäude nach und nach über Jahre auf Vordermann gebracht. Aber nicht um die traute Zweisamkeit in einer Kate zu genießen, sondern um gemeinsam mit anderen Menschen und Tieren auf dem Hof zu leben. Auch für seine Fotografien ist die Landschaft um ihn herum wichtig. 80 Prozent seiner Bilder entstünden in einem Umkreis von 50 Kilometern um Eitzen. Die Fotos – von der Kufe eines Hubschraubers geschossen – entstehen spontan. So wie viele spontane Ideen das Leben von Uhde geprägt haben.

Von Lars Lohmann

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