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Neues Projekt des Nabu-Kreisverbands Uelzen soll Bruterfolge ermöglichen

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Von: Lars Lohmann

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Artenschutzprojekt für den Kiebitz
Der Kiebitz ist auch für seine tollkühnen Flugmanöver bekannt. © dpa

Der Kiebitz kann schon sehr garstig und mutig sein, wenn es darum geht, sein Gelege und seinen Nachwuchs vor Fressfeinden wie dem Fuchs oder Greifvögeln zu schützen. Doch all das reichte im vergangenen Jahr nicht, um einen Bruterfolg im Landkreis Uelzen verzeichnen zu können, berichtet Antonia Kachel. 

Sie hat die Vögel im vergangenen Jahr für ihre Masterarbeit beobachtet und Gelege auf den Feldern in Zusammenarbeit mit den Landwirten markiert, damit die Kiebitz-Eier umfahren werden und damit geschützt sind. Dieses Jahr sollen die Gelege noch besser geschützt werden, dazu wurde vom Nabu die Arbeitsgemeinschaft (AG) Kiebitz gegründet.

Das Ziel: Durch das Schaffen sogenannter Kiebitzinseln soll das Nahrungsangebot für die Vögel verbessert werden, denn der Kiebitz ist ein Insektenfresser, der feuchtere Flächen braucht. Gleichzeitig sollen die Gelege durch Schutzzäune besser vor Fressfeinden geschützt werden. „Wir finanzieren das Projekt durch Spendengelder“, erklärt Antonia Kachel, die die AG leitet. Leider gebe es derzeit kein Förderprogramm zum Kiebitzschutz. Daher habe sich der Nabu entscheiden, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Die Naturschutzstiftung des Landkreises unterstützt das Projekt.

Landwirte, die Teile ihrer Fläche für die Inseln zur Verfügung stellen, werden vom Nabu für den Ertragsausfall mit 1200 Euro pro Hektar entschädigt. „Wir sind auf die Unterstützung der Landwirte angewiesen“, sagt Antonia Kachel. Ihre Erfahrungen seien dort bisher sehr positiv. Jeder Landwirt mit einem Kiebitzpaar habe sie im vergangenen Jahr das Gelege markieren lassen. „Ein Landwirt hat mir sogar ein Gelege gemeldet“, sagt sie.

Die Kiebitze selbst kommen im Norden des Landkreises im Raum Bienenbüttel und Bad Bevensen, im Osten bei Stöcken, Rätzlingen und Wieren sowie im Süden bei Bad Bodenteich und Lüder vor. „Die meisten Paare brüten nicht in Naturschutzgebieten“, berichtet Antonia Kachel. Die standorttreuen Vögel brüten oft über Generationen am gleichen Ort. Daher seien sie auch nicht mehr nur auf Grünland anzutreffen, sondern jetzt auch auf Ackerflächen. Der Bestand der Kiebitze ist deutschlandweit in den vergangenen 30 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen.

Der Grund für Antonia Kachels Engagement: Die Kiebitze sind ihr im vergangenen Jahr ans Herz gewachsen. „Die vergisst man nicht, wenn man sich mit ihnen beschäftigt hat“, sagt sie. So hätten die Kiebitze einen sehr besonderen Flug, an denen man sie erkennen könne. „Der Ruf ist auch unverwechselbar“, sagt Antonia Kachel. Zudem sei es ein Highlight, die waghalsigen Flugmanöver der Kiebitze zu beobachten, wenn sie ihr Gelege – meistens besteht es aus vier Eiern – vor Fressfeinden schützen. Da könnten dann Überschläge und Rollen beobachtet werden.

Normalerweise beginnen die Kiebitze Anfang April mit der Brut. Dieses Jahr waren die Vögel aufgrund des trockenen März schon zwei Wochen früher dran. Und so ist jetzt das erste Gelege im Raum Suderburg von der Kiebitz AG des Nabu eingezäunt worden. Schwerpunkt für dieses Jahr soll zunächst der östliche Bestand des Kiebitzes sein. Dazu werde sie mit Landwirten ins Gespräch kommen, sagt Antonia Kachel an. Wobei nicht ausgeschlossen sei, in anderen Gebieten aktiv zu werden.

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