Oberverwaltungsgericht Lüneburg lässt Berufung zu / Klaus Köhler kämpft um seinen „ältesten Sohn“

Neue Frist für Affe Robby

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Zirkusdirektor Klaus Köhler beim Spiel mit Robby. „Der ist nicht so alt, weil man ihn gequält, gehauen oder schlecht gefüttert hätte, sondern weil es ihm so gut geht“, attestiert Exoten-Tierärztin Dr. Alexandra Dörnath dem Schimpansen.

Lüneburg/Celle. Als die AZ Klaus Köhler erreicht, weiß er noch gar nichts von seinem Glück. Wie jeden Tag holt der Zirkusdirektor von einem Bauernhof Futter für seine Tiere in Celle. Das schwere Motorengeräusch untermalt das Telefonat.

Vor Gericht kämpft der 69-Jährige dafür, dass Schimpanse Robby (47) bei ihm bleiben darf (AZ berichtete). Jetzt kann er erst mal aufatmen: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat seine Berufung zugelassen.

Seit zwei Jahren ist es ein Zusammenleben auf Zeit. „42 Jahre habe ich das Leben mit Robby geteilt. Er ist nun mal der älteste Sohn“, sagt Köhler, Chef des Zirkus Belly, der auch schon in Uelzen aufgetreten ist. „Ich habe mich ewig dreckig gefühlt.“ Auf Druck der Tierschutzorganisation Peta hatte der Landkreis Celle angeordnet, Robby in eine auf die Resozialisierung von Schimpansen geeignete Einrichtung abzugeben. Der Zirkusdirektor zog vors Verwaltungsgericht Lüneburg, doch das bestätigte die Entscheidung der Behörde. Ein Gutachter hatte dem Schimpansen eine schwerwiegende Verhaltensstörung attestiert. Ihm fehle die Interaktion mit anderen Affen.

Dr. Alexandra Dörnath

Das Oberverwaltungsgericht begründet seine Entscheidung gestern mit „besonderen tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten.“ Es gibt nämlich schwerwiegende Bedenken gegen eine Resozialisierung des Affen-Opas, der sich für einen Menschen hält. „Wenn man ihn da rausholt, ist das sein purer Tod“, stellt Exoten-Tierärztin Dr. Alexandra Dörnath aus Bremen fest. „Er versteht die Schimpansen-Sprache nicht. Wenn er dort ankommt, wird er entweder schwer verletzt oder getötet.“ Wenn er nicht bereits beim Versuch, ihn einzufangen, an einem Herzinfarkt stirbt, schränkt die Tiermedizinerin ein, die ihre Doktorarbeit über Gorillas geschrieben hat.

Menschenaffen gehören nicht in den Zirkus, betont auch sie – aber Robbys Fall sei ein besonderer. „Der ist nicht so alt, weil man ihn gequält, gehauen oder schlecht gefüttert hätte, sondern weil es ihm so gut geht“, betont die 46-Jährige. In freier Wildbahn werden Schimpansen 20 bis 30 Jahre alt, im Zoo bis zu 40 Jahre. Robby bekommt nach Auskunft seines Ziehvater zum Frühstück ein Glas Milch und ein gekochtes Ei. Er verspeist Rosenkohl und Möhren ebenso gern wie Bananen und Apfelsinen.

Drei Wochen lang hat Alexandra Dörnath den Menschenaffen beobachtet. Ihr Urteil: „Dieser Schimpanse ist nicht verhaltensauffällig.“ Robby laust seinen „Vater“ Klaus Köhler, er nimmt den Hund unter den Arm und trägt ihn in sein Hochbett, und er malt gerne, aber nur mit dem Pinsel. Die Finger macht er sich nicht gerne schmutzig. Frauen mag er übrigens am liebsten.

Auftreten darf Robby seit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg nicht mehr. Der Zirkus Belly muss ohne Handstandlauf und Salto mortale des Schimpansen auskommen. Aber Klaus Köhler, in eine 300 Jahre alte Zirkusdynastie aus Ostpreußen geboren, wehrt sich standhaft. „Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus.“

Von Gerhard Sternitzke

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Seit 42 Jahren Seite an Seite: Schimpanse Robby und Zirkusdirektor Klaus Köhler 

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