Prozess gegen Lüneburger Jesiden verzögert sich

Nebenklage geht von Ehrenmord aus

Der Lüneburger Jeside soll vor dem Doppelmord die Tür geschlossen und den Telefonstecker gezogen haben. Archivfoto: dpa
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Der Lüneburger Jeside soll vor dem Doppelmord die Tür geschlossen und den Telefonstecker gezogen haben.

dpa Lüneburg. Im neu aufgerollten Prozess um den blutigen Tod von zwei Frauen in Lüneburg haben die Anwälte der Angehörigen eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Außerdem plädierten sie gestern dafür, die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten festzustellen.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte das gefordert.

Das Landgericht hatte den Jesiden in einem ersten Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er seine Ehefrau und deren Freundin mit rund 40 Messerstichen getötet haben soll. Auch damals stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest, eine Freilassung schon nach 15 Jahren ist damit nur im Ausnahmefall möglich.

Nach Überzeugung der Richter hatte der aus dem Irak stammende Mann den Doppelmord begangen, weil ihn seine 32 Jahre alte Frau verlassen und Christin werden wollte. Die Freundin soll er dafür mitverantwortlich gemacht haben. Doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, weil der Vorsitzende Richter während der Verhandlung für eine Zeugenvernehmung den Saal verlassen hatte.

Anders als zunächst erwartet kam es gestern nicht zum Plädoyer des Verteidigers. Der Jurist stellte am Nachmittag überraschend eine Reihe von Beweisanträgen. Die Kammer sah weiteren Verhandlungsbedarf und setzte zusätzliche Termine bis zum 16. Oktober an. Im ersten Prozess hatte der Verteidiger vergeblich auf Totschlag im Affekt plädiert. „Das hat nichts mit dem Glauben zu tun“, sagte er gestern.

Die Nebenkläger-Anwälte betonten dagegen, der Jeside habe durch den Weggang der Frau und ihren Glaubenswechsel seine Ehre in Gefahr gesehen. Sie gehen von Mord aus. So habe der Angeklagte vor der Tat die Haustür abgeschlossen und den Telefonstecker aus der Wand gezogen.

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