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Ursachensuche nach Verunreinigung auf Acker: Müll gelangte durch falsches Sieb

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Von: Gerhard Sternitzke

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Heiko Neben, Geschäftsführer der Firma Lünerecycling, mit seinem Produkt: Kompost, der aus Siebrückständen unter anderem des Abfallwirtschaftsbetriebs in Borg gewonnen wird. Schuld an der zwischenzeitlichen Verunreinigung war wohl ein falsches Sieb.
Heiko Neben, Geschäftsführer der Firma Lünerecycling, mit seinem Produkt: Kompost, der aus Siebrückständen unter anderem des Abfallwirtschaftsbetriebs in Borg gewonnen wird. Schuld an der zwischenzeitlichen Verunreinigung war wohl ein falsches Sieb. © Sternitzke

Embsen/Steddorf. Wie kam der Müll in den Kompost, der auf Äckern bei Steddorf und Bleckede landete (AZ berichtete)? Im Zentrum der Ermittlungen steht die Firma Lünerecycling, von der die Landwirte das Material bezogen haben.

„Es zeichnet sich eine technische Ursache ab im Bereich der Siebanlage“, berichtet Christina von Mirbach, stellvertretende Leiterin des Gewerbeaufsichtsamts Lüneburg, auf AZ-Nachfrage. „Wir ermitteln noch.“

Das Unternehmen im Gewerbegebiet Embsen bei Melbeck verarbeitet stark verunreinigte Siebreste aus Kompostanlagen verschiedener Landkreise, darunter auch vom Abfallwirtschaftsbetrieb in Borg, der jährlich 2500 Tonnen Siebrückstände abgibt. Mit einem sogenannten Trommelsieb werden aus dem Material die letzten Kompostreste herausgefiltert. Für die Abnahme der Reste zahlen die Landkreise.

„Wir gehen davon aus, dass wir eine zu große Siebtrommel in der Maschine hatten und das nicht bemerkt haben“, fasst der Geschäftsführer von Lünerecycling Heiko Neben das Ergebnis der betriebsinternen Ermittlungen zusammen. Demnach wurde die mobile Siebanlage, die das Unternehmen vom Bleckeder Hof Steinberg des zweiten Geschäftsführers Karsten Burmester gemietet hat, im Januar auswärts zum Sieben von Mutterboden eingesetzt. Anschließend sei das 20-Millimeter-Sieb in der Anlage geblieben – statt der üblicherweise eingesetzten Zehn-Millimeter-Trommel. So konnten Scherben, Plastikteilchen und sogar Messer in den erzeugten Kompost gelangen. „Das ist für uns die einzige plausible Erklärung“, sagt Neben.

Die Zeit, in der zu grob gesiebt wurde, lässt sich nach seinen Angaben auf etwa zehn Tage Ende Januar, Anfang Februar eingrenzen. In dieser Zeit hätten der Steddorfer Landwirt 350 Tonnen und sein Bleckeder Berufskollege 220 Tonnen Kompost abgeholt. Ein weiterer Steddorfer Bauer brachte zwei Anhänger Kompost wieder in den Embsener Betrieb zurück. Er habe moniert, der Kompost sei zu grob. Müllreste im Material seien dabei nicht aufgefallen, betont Neben. Aufgrund der Beschwerde sei aber das richtige Sieb eingebaut worden.

Als Reaktion auf den Vorfall wird das Unternehmen zukünftig zur Qualitätssicherung mehr Eigenkontrollen durchführen und die Betriebsabläufe intensiver dokumentieren. Zudem werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult.

Eine Rückstellprobe vom Januar ließ das Unternehmen inzwischen von einem Hannoveraner Labor untersuchen. „Sie hat ergeben, dass keine Fremdstoffe enthalten sind“, betont Neben. Eine Probe vom Februar wurde vom zuständigen Labor schon vernichtet.

Aufgrund der Verunreinigungen haben der AWB und der Landkreis Kassel zunächst alle Lieferungen nach Embsen gestoppt. „Der Imageschaden“, so Geschäftsführer Neben, „ist aber wesentlich größer als das, was an Umsatz wegbricht.“

Von Gerhard Sternitzke

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