Verunreinigter Kompost sorgt für Ärger und ein Landwirt fühlt sich als Opfer

Aufregung in Steddorf: Wie der Müll auf den Acker kam

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Fundstücke von einem Acker am Rand von Steddorf. Fotograf Ulrich Niehoff fand nicht nur jede Menge Plastikteilchen und Scherben, sondern auch Batterien, Messer und Injektionsfläschchen im ausgebrachten Kompost.

Steddorf. Es sind keine Müllsäcke im Gebüsch, keine Reifen am Wegrand, keine Gartenabfälle im Wald: Über ein ganzes Feld sind die kleinteiligen Abfälle, vor allem Plastikteilchen und Glasscherben, verstreut, die jetzt in Steddorf für Aufregung sorgen.

„Es ist kaum zu glauben“, sagt Fotograf Ulrich Niehoff. Er hat auf der Fläche am Ortsrand auch Batterien, Messer und Injektionsfläschchen gefunden.

Ratsherr Reinhard Schelle-Grote (Grüne) hat nach eigenen Angaben das Bienenbütteler Bauamt informiert. Er spricht von Verantwortungslosigkeit: „Wer so was macht, muss für sein Tun die Konsequenzen tragen“, fordert Schelle-Grote. Das Material müsse wieder abgesammelt werden. „Vor allem“, so der Ratsherr, „darf das nicht umgepflügt werden.“

Der betroffene Landwirt fühlt sich als Opfer. Er habe vor etwa zwei Wochen 700 Kubikmeter zertifizierten Kompost aus einer Anlage aus dem Landkreis Lüneburg verteilt. Dass dieser mit Müll verunreinigt war, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Erst der Regen habe die Teilchen freigewaschen. Das Kompostmaterial sei sogar für die Biolandwirtschaft zugelassen. Ursache der Verunreinigung sei ein Problem in der Siebanlage gewesen.

Der Kompost, den der Steddorfer Landwirt verwendet hat, stammt aus Hausabfällen, wie sie auch im Landkreis Uelzen in der braunen Tonne gesammelt werden. Die Landwirtschaftskammer Uelzen hat in Feldversuchen mit dem Material aus der Kompostierungsanlage des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) in Borg durchaus gute Erfahrungen gemacht. „Kompost ist ein Mehr-Nährstoff-Dünger. Er enthält viele für das Pflanzenwachstum wichtige Stoffe wie Phosphor, Kalium, Magnesium und diverse Spurennährstoffe, während der Stickstoffanteil gering ist. Gerade seine Humuswirkung auf Sandboden ist wertvoll“, erklärt Kammerleiter Dr. Jürgen Grocholl. „Das Problem ist die Reinheit, also was an Reststoffen enthalten ist.“

In Einzelfällen seien auch bei den Versuchen Plastikteilchen oder Scherben aufgetreten. Deshalb sei es wichtig für die Bauern, auf Gütesiegel zu achten und zu kontrollieren, wie das Material aussieht, das sie erhalten. „Die Qualität des Komposts“, so Grocholl, „hängt aber davon ab, was die Verbraucher in die Komposttonnen werfen.“ Dabei können auch unsichtbare Verunreinigungen wie Batterieflüssigkeit oder Altöl in den Kompost gelangen. „Letzlich muss jeder Bewirtschafter es mit sich selbst ausmachen, ob er das Restrisiko eingeht.“

Von Gerhard Sternitzke

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