Aufbruch in den goldenen Westen

Moderator Björn Pamperin beim Bienenbütteler Dorfgespräch

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Björn Pamperin moderiert sonst zusammen mit Loni Franke das Dorfgespräch. Diesmal erzählt er von einer Kindheit in der DDR und seinem Weg nach der Grenzöffnung. 

Bienenbüttel – Es ist wie in einem schlechten Agentenfilm. Zwei Männer in Trenchcoat und Hut klingeln an der Haustür. Sie kommen gleich zur Sache. Ob er eine Lehre bei ihnen machen will.

Im Bienenbütteler Dorfgespräch am vergangenen Dienstag erzählt Moderator Björn Pamperin (44) von einer Kindheit in der DDR und seinem Weg in den goldenen Westen.

Die Vorteile der angebotenen Tätigkeit liegen auf der Hand: Auto, Wohnung und Telefonanschluss in einem Land, in dem Eltern ihre Kinder bei der Geburt für einen Trabbi anmelden und Wohnraum erst zugeteilt wird, wenn der erste Nachwuchs da ist. Ein Land, in dem die „Aktuelle Kamera“, das Ost-Pendant zur Tagesschau, im Unterricht abgefragt wird und eine West-Tüte mit Aldi-Aufdruck als Verrat an der Arbeiterklasse geahndet wird. Ein graues Land, wie Pamperin bestätigt. Eines, in dem die Spitzel allgegenwärtig sind.

Der Junge sagt Nein, ohne die Folgen zu kennen. „Ich habe gewusst, wenn du ehrlich bist, passiert dir nichts“, verrät Pamperin. Vielleicht hat ihn auch das stumme Nicken des Vaters ermutigt, der den Jungen in Schwerin frei erzogen hat. Mit dem Traumberuf bei der Handelsmarine ist es allerdings vorbei. Der Vater ist dort Elektriker und sieht statt Ostsee und Bulgarien viele Städte. „Ich wollte die Länder sehen, die ich sonst nie sehen würde“, erinnert sich Pamperin. Bei jedem Telefonat knackt es nun in der Leitung.

Zunächst aber erlebt er in diesem grauen Land eine unbeschwerte und behütete Kindheit. Familie und Freunde sorgen für ein Urvertrauen. Mit sechs kommt er zum Segeln. Wenn seine Mitschüler bei der Maidemonstration marschieren müssen, ist er auf dem Wasser. Dort ist Björn Pamperin zweimal deutscher Meister.

Auch das Reisen ergibt sich. Pamperin nimmt an den Montagsdemos teil. Und als sich der Grenzzaun öffnet, besucht die Familie als erstes Hamburg. „Hier lebe ich mal irgendwann“, kündigt der Junior an. Und der Freiheitsdrang bleibt nach dem Abitur sein Leitmotiv. Auch auf die Berufswahl nimmt im bösen Kapitalismus niemand Einfluss – ein Land der schier unbegrenzten Möglichkeiten. Pamperin sucht sich Nummern aus einem Telefonbuch und kann eine Lehre als Werbekaufmann machen. Eine neue Welt eröffnet sich. Eine Welt, in der nichts unmöglich scheint und in der ausschweifende Partys gefeiert werden. „Ich habe keiner Frau was versprochen“, erzählt Pamperin. Er gründet eigene Firmen und scheitert krachend – und verliert nie den Glauben an die Zukunft. Aber das alles erfüllt ihn nicht.

Seit sechs Jahren ist der zweifache Vater Pressesprecher der Eisenbahngesellschaft Metronom.

VON GERHARD STERNITZKE

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