Ein Bienenbütteler Original: Magda Meyer (78) aus Hohenbostel plauderte aus ihrem Leben

„Mit 13 habe ich Bier verkauft“

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Ein Bienenbütteler Original: Magda Meyer erzählte in der Markthalle von ihrem Leben als Wirtin im Gast- und Pensionshaus Meyer in Hohenbostel. 

Bienenbüttel. Wer in das Gesicht von Magda Meyer blickt, erkennt sofort: Diese Frau hat in ihrem Leben ganz viel erlebt.

Knapp 50 Jahre lang war sie das Gesicht des Gast- und Pensionshauses Meyer in Hohenbostel, das mittlerweile geschlossen und verkauft ist – nach 130 Jahren mit tausenden Gästen und Geschichten. Diesen Teil ihres Lebens loszulassen, fällt der 78-Jährigen schwer.

Wie schwer, das können die Besucher beim „Talk – das Dorfgespräch im Dorfgespräch“ am Dienstagabend in der Markthalle erahnen. „Ich muss mich erst daran gewöhnen“, antwortet Magda Meyer auf die Frage, wie schwer ihr der Abschied von dem Gasthaus falle. Es wird deutlich: Die Hohenbostelerin will nicht detailliert über ihre Gefühle sprechen. Das ist verständlich, schließlich ist das alte Gebäude nicht nur jahrelang ihr Arbeitsplatz gewesen, sondern auch ihr Elternhaus.

Wobei: Ganz stimmt das nicht, wie die Zuhörer an diesem Abend erfahren. Eigentlich kommt sie nämlich aus Hohnstorf. „Meine Mutter war mit dem nächsten Sohn schwanger, da bin ich bei meiner kinderlosen Tante in Hohenbostel geblieben“, erzählt Magda Meyer. Damals war sie zweieinhalb Jahre alt. Gut sieben Jahre später wurde sie von Tante und Onkel adoptiert. „Das war damals so gang und gäbe“, sagt Meyer schmunzelnd. Ob sie Heimweh zu ihrer Mutter hatte? „Wieso denn? Ich bin doch immer mit’m Rad hingefahren.“

Magda Meyers Antworten sind meist kurz und haben oft einen leicht sarkastischen Unterton. Ihre Zuhörer lachen viel, einige nicken immer wieder zustimmend. Viele von ihnen haben ihre ganz eigenen Erinnerungen an Magda Meyer und das Gasthaus.

Dort habe sie bereits früh mitgearbeitet, erzählt die 78-Jährige: „Schon mit 13 habe ich Bier verkauft.“ 1969 übernahm sie das Gasthaus, während ihr Mann sich um den landwirtschaftlichen Betrieb kümmerte. Mehrmals am Tag bereitete sie Mahlzeiten für die Männer vor: 7 Uhr Kaffee, 10 Uhr Frühstück, 12 Uhr Mittag, 16 Uhr Kuchen, 19 Uhr Abendbrot. „Die Hosen hatte ich aber auch an“, erzählt Magda Meyer und lacht.

Sie ist keine Frau, die sich schnell über Dinge beklagt. Auch als sie vor vielen Jahren mal von Gästen verprügelt wurde, „weil ich um Mitternacht gesagt habe, dass jetzt Schluss ist“, habe sie nicht daran gedacht, ihren Job als Wirtin aufzugeben. Viele Anekdoten von Gästen erzählt Magda Meyer an diesem Abend nicht. Sie ist eine Wirtin alten Schlags. Was Gäste ihr anvertrauen, bleibt auch bei ihr.

Dafür berichtet Meyer aus ihrer eigenen Kindheit – während des Zweiten Weltkriegs. „Da musste ich immer aufpassen“, erinnert sie sich. Unter einer Wolldecke im Schrank war ein Radio versteckt. Wenn im Haus verbotenerweise Radio gehört wurde, habe sie immer draußen mit einem Ball spielen müssen, erzählt Magda Meyer: „Und wenn einer kam, musste ich den Ball als Warnung ans Fenster werfen.“

Es sind Geschichten wie diese, die den Abend in der Bienenbütteler Markthalle besonders machen. Der gibt einen kleinen Einblick in das Leben von Magda Meyer und ins Gast- und Pensionshaus Meyer, mit dessen Schließung eine Ära endet. Einen Tipp, was gegen den Kater am Morgen nach einer Feier hilft, hat Magda Meyer dann auch noch parat: „Ganz klar, nicht so viel und nicht alles durcheinandertrinken.“

Von Florian Beye

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