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Mit dem „Copterteam“ auf Kitzsuche in Uelzens Nordkreis

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Von: Theresa Brand

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Kitzrettung Hegering Bienenbüttel
Bettina Heukamp, Jörg Hallensleben, Thorsten Lüneburg und Wilhelm Schulz suchen die Wiesen vor dem Mähen nach Rehkitzen und anderen Tieren ab.  © Theresa Brand

Jedes Jahr werden zahllose Rehkitze, Hasen und Bodenbrüter durch landwirtschaftliche Maschinen verletzt oder getötet. Um dies zu verhindern, hat der Bienenbütteler Hegering zwei Teams zusammengestellt, die mit Drohnen die Flächen vor dem Mähen absuchen.


Bienenbüttel/Groß Hesebeck – Halb fünf Uhr morgens. Nebel steigt aus den Wiesen auf, und es wird langsam hell, als Thorsten Lüneburg und sein Team sich auf dem Hof von Wilhelm Schulz bereit machen zum Aufbruch. Der Landwirt lässt heute seine Wiesen mähen, doch vorab sucht er mit einem der beiden „Copterteams“ des Hegerings Bienenbüttel das hohe Gras nach Rehkitzen und anderen Tieren ab.

„Ich bin sehr, sehr dankbar, dass wir diese Möglichkeit haben“, erklärt Schulz. Denn beim Mähen merkt man nicht, ob sich etwas im hohen Gras versteckt. Und die jungen Kitze haben noch keinen Fluchtinstinkt. Bei Gefahr ducken sie sich nur noch tiefer in das Gras. „Wenn man hinterher feststellt, dass eine Ricke ihr Kitz sucht und immer wieder verzweifelt fiept – es ist ganz furchtbar“, sagt Schulz leise.

Drohnen mit Wärmebildkamera


Damit so etwas nicht passiert, hat der Bienenbütteler Hegering im vergangenen Jahr zwei Drohnen angeschafft, die mit einer Tragbild- und Wärmebildkamera ausgestattet sind (AZ berichtete). Diese fliegen in 50 bis 80 Metern Höhe über die Wiesen und zeigen an, wo sich im hohen Gras Tiere verstecken. Damit der Kontrast zwischen Umfeld und Wärmequelle besonders stark ist, müssen die Kitzretter in den frühen Morgenstunden unterwegs sein. Alle neun Mitglieder machen dies ehrenamtlich – noch vor ihrer eigentlichen Arbeit. Da kann es schon mal passieren, dass man sich verspätet, doch für Lüneburg und die anderen Freiwilligen sind die Tiere an diesen Tagen wichtiger.

An der ersten Wiese angekommen, steigt die Drohne auf. Thorsten Lüneburg hat am Vorabend mit einem Computerprogramm die Flächen in Strecken eingeteilt und die Drohne programmiert. Er steuert nun das Fluggerät, während Bettina Heukamp den Bildschirm nach weißen Stellen absucht. Ist ein solcher Fleck zu sehen, stoppt Lüneburg die Drohne und lässt sie ein Stück hinabsinken.

Manchmal reicht schon dieses Geräusch, und der „Fleck“ – in diesem Fall ein Reh – läuft von allein weg. Doch beim Nächsten geschieht nichts, und Jörg Hallensleben macht sich mit einem großen Kescher auf den Weg. Wilhelm Schulz begleitet ihn, in der Hand einen Jutesack. Vorsichtig nähern sie sich der Stelle, an der sie das Kitz vermuten, aber Fehlalarm.

Ein Rehkitz so groß wie ein Schuh

Schulz ist erleichtert, für ein Kitz ist es schließlich großer Stress, wenn es gefangen und von der Wiese geholt wird. „Aber alles ist besser, als nichts zu tun“, findet er. Früher ist er mit seinem Hund am Abend vor dem Mähen durch die Wiesen gegangen, doch dabei besteht immer die Gefahr, dass die Kitze in der Nacht zurückkommen. Im vergangenen Jahr hat er zum ersten Mal mit dem Maschinenring Uelzen die Wiesen per Drohne abgesucht.

Wenn das Copterteam fündig wird, wird das Rehkitz vorsichtig mit dem Kescher eingefangen. Dann kommt es in einen Jutesack, der am Rand der Wiese mit einem Seil an einem Baum oder Strauch befestigt wird. Möglichst schnell muss nun gemäht werden, damit das Rehkitz anschließend wieder freigelassen werden kann. Oft wartet die Ricke in der Nähe und nimmt ihr Junges wieder in Obhut. Lüneburg erzählt, dass er am Tag zuvor ein Kitz gefunden hat, das erst in der Nacht geboren wurde. „Das war nur so groß wie ein Schuh“, erzählt er.

In diesen Wochen rund um die Mahd sind die beiden Teams häufig im Einsatz. Landwirte aus der Region sollten sich ein bis zwei Tage vorher melden, damit die Suchtermine besser koordiniert werden können. Dazu brauchen die Kitzretter möglichst genaue Angaben zu Ort und Fläche: Größe, Baumbewuchs, Nähe zu Häusern oder Hochspannungsleitungen, damit sie besser abschätzen können, wie aufwendig die Suche wird. Außerdem braucht das Team Helfer, die die Kitze aus der Wiese tragen und nach dem Mähen wieder freilassen. Ansonsten bittet der Hegering um einen Spendenbeitrag, um die Kosten für Fahrt und Material zu decken.

Brut- und Setzzeit beachten


Insgesamt haben die Teams bis Anfang dieser Woche schon 296 Hektar abgesucht und dabei 66 Rehkitze gerettet. Auch drei Junghasen und sogar ein Igel konnten mithilfe des Copterteams rechtzeitig von der Wiese geholt werden.

Die Mitglieder des Hegerings appellieren an alle Landwirte, vor dem Mähen nach Kitzen und anderen Tieren zu suchen. Doch auch generell erinnern sie an die Brut- und Setzzeit: Hundehalter werden dringend dazu aufgefordert, ihre Tiere an der Leine zu führen, um Tierjunge und Bodenbrüter nicht aufzuschrecken und zu gefährden.

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