Neues Restaurant: „Die Menschen gehen gerne aus“

Groß-Gastronom Dirk Block investiert 2,5 Millionen Euro in Lüneburg

+
„Backen wir’s an“: Dirk Block vor der offenen Küche der Lüneburger L’Osteria – es ist bereits das 80. Restaurant der Kette.

Uelzen/Lüneburg. Einbrechende Gästezahlen, Restaurantschließungen – die Gastronomiebranche in der Region erlebt einen dramatischen Wandel. So machen in der ehemals beliebtesten Partymeile Lüneburgs, der Schröderstraße, in diesen Monaten gleich fünf Lokale dicht.

Als neue „In-Zeile“ gilt die Rackerstraße mit kleinen individuellen gastronomischen Angeboten. Und in der Nachbarschaft wagt sich erstmals einer der Großen der Branche in die Salzstadt. Dirk Block, Sohn der Hamburger Blockhouse-Dynastie, steckt rund 2,5 Millionen Euro in das Restaurant „L’Osteria“ direkt hinter dem Theater, das am morgigen Freitag erstmals seine Tore öffnet. AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff sprach mit Block über die Gastronomie im Wandel.

Interview

Herr Block, Pizza gibt es mittlerweile an fast jeder Ecke. Warum sollte der Gast auch noch bei Ihnen hereinschauen?

Weil wir die beste Pizza Deutschlands, wenn nicht Europas machen. Wir haben eine unschlagbare Produktqualität, eine lebendige Gastronomie, die das Ausgehen zu einem Erlebnis macht.

Aber Pizza ist letztlich Teig, auf dem man Beilagen anordnet... 

Nein, zwischen Pizza und Pizza liegen Welten. Wir haben ein eigenes Mehl entwickelt. Und es kommt darauf an, wie man mit dem Teig umgeht, wann welche Prozedur erfolgt. Da gibt es himmelweite Unterschiede, die man schmeckt. Nicht ohne Grund haben wir auch viele italienische Stammgäste.

Wir erleben in der Region gerade reihenweise Schließungen von gastronomischen Betrieben. Warum ist es so schwierig, die Menschen zum Ausgehen zu bewegen?

Wir haben heute Verbraucher, die zwar grundsätzlich bereit sind, Geld auszugeben und auch sehr gerne ausgehen. Aber die Deutschen sind ja nun leider auch Sparfüchse und schauen genau auf ihren Euro. In Frankreich fährt man mit dem zerbeulten Citroën vor das Drei-Sterne-Restaurant, bei uns mit der polierten S-Klasse vor den Aldi-Markt.

Und sie sollen auch in die L’Osteria fahren...

Ja, das ist unser Ziel. Wir sprechen auch preisbewusste Menschen an. Mit einem Preissegment von 12, 13 Euro im Schnitt pro Gast und Besuch bieten wir ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis, hohe Qualität und einen hervorragenden Service. Es ist natürlich klar, dass wir dazu auch das nötige Besuchervolumen benötigen.

Cleverer Werbe-Schachzug: Kurz vor der Eröffnung lud Block 105 Studenten der Lüneburger Universität zum kostenlosen Probeessen in das neue Lüneburger Lokal L’Osteria ein.

Erstmals trauen Sie sich mit Ihrem Konzept in eine eher ländliche Region.

Wir starten hier natürlich mit einem gehobenen Anspruch. Wir wollen neue Akzente in der Gastronomielandschaft setzen. Was wir hier gestemmt haben an Investitionssummen, ist schon ein deutliches Bekenntnis zum Standort. Gastronomie hat etwas zu tun mit Lebendigkeit und Atmosphäre, die auch Arbeitsgeräusche produziert. Die kommunikativ ist. Deshalb auch die offene Küche. Die Gäste sehen Menschen, die am Produkt arbeiten und nichts verstecken. Alles auf der Speisekarte wird sichtbar hergestellt, es gibt keinen Vorbereitungsraum, keinen Tiefkühl-Auftauraum. Die offene Küche symbolisiert, was wir sind, was wir haben und was wir tun. So wollen wir nicht nur die Lüneburger und Uelzener überzeugen, sondern eine Anlaufstelle für die Menschen aus der gesamten Region sein. Je mehr Menschen kommen, desto mehr Stimmung entsteht.

Und die vielen Pizza-Bringdienste fürchten Sie nicht als Konkurrenz?

Natürlich können Sie Zuhause auf dem Sofa sitzen bleiben, aber ich glaube, dass man die Karte eines Gastraums, einer Marke mit dem Servicegedanken dahinter, auch heute noch bewusst spielen kann und dass ein Markt dafür da ist. Wir möchten die Deutschen ermuntern, wieder bewusst Essen zu gehen und bewusst zu essen.

-----

Dirk Block 

Preisgekrönte Pizza

Der gebürtige Hamburger Dirk Block ist Sohn des bekannten Unternehmers Eugen Block (Block House, Hotel Grand Elysée). Er lernte das Gastronomiegewerbe von der Pike auf, kellnerte, absolvierte eine Ausbildung zum Hotelfachmann im Münchener Kempinski Hotel Vier Jahreszeiten und studierte und arbeitete in New York sowie Edinburgh. Die Restaurantkette L’Osteria gibt es mittlerweile an 80 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Pizza und Pasta sind preisgekrönt, so wählte 2014 die FAZ das italienische Restaurantkonzept zum „Liebling des Jahres“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare