Schock, Unglaube und Solidarität

Meike Holzenkämpfer berichtet, wie Neuseeland mit dem Terror umgeht

+
Schock und Unglaube gibt es laut Meike Holzenkämpfer immer noch in Christchurch. Aber vor allem gebe es eine ungeheure Welle der Solidarität und Anteilnahme mit den Muslimen. 

Bienenbüttel/Christchurch – Nach dem Anschlag in Christchurch, bei dem ein rechtsextremer Terrorist vor elf Tagen in zwei Moscheen 50 Menschen erschoss, befindet sich eine ganze Nation nach wie vor im Schockzustand.

So beschreibt die Bienenbüttelerin Meike Holzenkämpfer, die seit neun Jahren mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Christchurch lebt, die Situation.

Meike Holzenkämpfer, Bewohnerin von Christchurch

„Auch jetzt noch herrschen Schock und Unglaube vor, es ist einfach unbeschreiblich, dass so etwas bei uns passiert ist“, sagt Meike Holzenkämpfer. Sie bewundere aber vor allem die eindrucksvolle Reaktion der Neuseeländer. „Alle wollen etwas tun, um zu helfen und ihr Mitgefühl und ihre Solidarität gegenüber den Muslimen kundzutun“, sagt sie. Dies drücke sich etwa in einer hohen Spendenbereitschaft und auch in dem von der Premierministerin Jacinda Adern ausgerufenen „We are One“ aus. Dies gebe ihr auch die große Hoffnung, dass die offene neuseeländische Gesellschaft gestärkt aus dem Anschlag hervorgehe.

„Ich musste aber leider lernen, dass es auch Rassismus in Neuseeland gibt, das war mir vorher nicht so bewusst“, sagt Meike Holzenkämpfer. Bisher habe sie Neuseeland immer als offenes Land erlebt, in dem es keine Rolle spielt, woher jemand stammt.

Sie und ihr Ehemann Andreas Willig erfahren von dem Anschlag an ihren Arbeitsplätzen an der University of Canterbury. „Absolute Fassungslosigkeit beschreibt am besten unsere Reaktion“, sagt sie. Die Kinder waren zu dieser Zeit in der Schule. Aufgrund eines Lockdowns habe man weder Schule noch Universität verlassen dürfen. Gegen 18 Uhr sei die Sperrung aufgehoben worden, und sie seien dann alle nach Hause gekommen.

Sie selbst habe auch nicht das Gefühl der Sicherheit verloren. Aber viele muslimische Frauen hätten sich nicht mehr getraut, an den ersten Tagen nach dem Anschlag mit einem Kopftuch bekleidet das Haus zu verlassen.

Direkt betroffen waren Meike Holzenkämpfer und ihre Familie vom Anschlag nicht. „Der Alltag geht relativ normal weiter. Allerdings kenne ich kaum jemanden, der nicht indirekt vom Anschlag betroffen ist“, sagt Meike Holzenkämpfer. Christchurch sei nicht groß, und durch Kollegen, die Nachbarn verloren haben, oder Kinder in der Schule habe man viele schreckliche Geschichten gehört.

VON LARS LOHMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare