Politiker und Wirtschaftsvertreter wollen Millionen-Projekt am Schiffshebewerk Scharnebeck beschleunigen

Mehr Tempo für neue Schleuse am Elbe-Seitenkanal

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Am Schiffshebewerk in Scharnebeck unterzeichneten Politiker, Wirtschafts- und Behördenvertreter eine Kooperationsvereinbarung zum Neubau einer Schleuse, darunter Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (rechts) und IHK-Präsidentin Aline Henke.

stk Scharnebeck. Endstation Scharnebeck: Einst ein Wunderwerk der Technik, ist das 1974 errichtete Schiffshebewerk bei Scharnebeck im Landkreis Lüneburg heute vor allem eines: ein Hindernis. 100 Meter lang sind die beiden Tröge des Schiffsfahrstuhls.

Binnenschiffe der Wasserstraßenklasse 5b mit 110 Metern Länge können den Elbe-Seitenkanal deshalb nicht befahren, eine deutliche Einschränkung beim Abtransport der im Hamburger Hafen umgeschlagenen Güter. Eine zusätzliche Schleuse mit 225 Metern Länge soll deshalb her.

Sie steht bereits im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Planung und Realisierung des Infrastrukturprojekts soll nun noch einmal beschleunigt werden. Vertreter der Länder Niedersachsen und Hamburg sowie der Industrie- und Handelskammer haben deshalb gestern vor der Kulisse des Hebewerks eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

„Die Wirtschaft braucht die neue Schleuse schnellstmöglich“, sagte IHK-Präsidentin Aline Henke. „Zurzeit ist das Schiffshebewerk im norddeutschen Raum das Nadelöhr für alle Binnenschiffe vom oder zum Hamburger Hafen. Wenn dort nicht investiert wird, gefährdet das Entwicklungspotenziale und Arbeitsplätze in der gesamten Region.“

2028 könnte die neue Schleuse stehen, wenn alles perfekt läuft, hofft Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann. Die Kosten für das Verkehrsprojekt werden auf 315 Millionen Euro geschätzt. Beschleunigt werden soll es unter anderem durch eine Agentur, die für Akzeptanz des Vorhabens in der Öffentlichkeit sorgt. Touristische, verkehrliche und wirtschaftliche Auswirkungen und Potenziale sowie Naturschutz-Aspekte sollen untersucht und veröffentlicht werden. Über fünf Jahre stellen die Partner 90 000 Euro jährlich zur Verfügung.

Das Projekt, das 60 Meter westlich des Schiffshebewerks entstehen soll, ist auch bautechnisch eine Herausforderung. Anspruchsvoll ist allein schon der Höhenunterschied von 38 Metern zwischen dem unteren Teil des Kanals und dem weiteren Verlauf bis zur Schleuse Esterholz, erklärt Martin Köther, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Uelzen. Genau diese Differenz müssen auch die Speicherbecken überbrücken, aus denen das Wasser in die Schleusenkammer läuft, wenn Schiffe angehoben werden sollen. In den Hafenbecken müssen wiederum größere Wasserbewegungen vermieden werden, um das Schiffshebewerk nicht zu gefährden, das weiter in Betrieb bleibt. „Das sind Aspekte, die gibt es noch an keinem Schleusenbauwerk in Europa“, betont Köther.

Im Bundeshaushalt stehen bereits zehn Millionen Euro Planungsmittel. 17 zusätzliche Ingenieursstellen wurden im Neubauamt Hannover geschaffen. Die Bedeutung des Vorhabens hob auch Staatssekretär Ferlemann hervor: „Der vorgezogene Ersatzneubau der Schleuse Scharnebeck wird Schiene und Straße beim Gütertransport entlasten.“

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