Auf Gut Bardenhagen feiern Konzertbesucher Vicky Leandros – in ihrem 52. Bühnenjahr

Mehr als eine Schlager-Königin

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Vicky Leandros singt in Bardenhagen nicht nur ihre Schlagerhymnen. Mit „Möge der Himmel“ ist auch Nachdenkliches zu hören. 

Bardenhagen. Diese Schlagerhymne will Vicky Leandros nicht alleine singen: „Ich liebe das Leben.“ Die Besucher ihres Konzertes im Gut Bardenhagen – dort steht die Sängerin am Freitagabend auf der Bühne – muss sie nicht lange bitten.

Die hält es ohnehin nicht mehr auf den Plätzen, nachdem Leandros bereits einige ihrer bekanntesten Werke schmetterte. Mehr als 200 Stimmen erklingen jetzt: „Das Karussell wird sich weiterdrehn. Auch wenn wir auseinandergehn.“ Bravo-Rufe folgen. Der Applaus will nicht enden. Die Sängerin muss tief Luft holen, ist gerührt. Das Publikum feiert Vicky Leandros – in ihrem 52. Bühnenjahr.

Der Sängerin ist klar, dass ein solch langes Bühnenleben keine Selbstverständlichkeit ist. Das sagt sie gleich zu Beginn des Konzertes. Sie wolle ihren Fans Dank sagen für die Treue. Und die 64-Jährige erinnert an ihren Vater, Leos Leandros, der viele ihrer Hits verfasste. Mit Klaus Munro schrieb er unter anderem „Après toi“ – jenes Lied, mit dem Vicky Leandros beim Grand Prix de la Chanson 1972 den Sieg für Luxemburg holte. Von diesem und weiteren Meilensteinen ihrer Karriere erzählt das Konzert in Bardenhagen, bei dem sie von Roland Cabezas an der Gitarre und von ihrem Produzenten Michael Hagel am Piano begleitet wird.

Mit „N’y pense plus... Tout est bien“ bringt Leandros ein Lied von ihrem ersten Album zu Gehör, um dann „Möge der Himmel“ zu singen – ein nachdenkliches Werk, das sie erst vor wenigen Jahren zusammen mit Soulsänger und Komponisten Xavier Naidoo produzierte: „Ich würde so gerne die Zukunft mit dir gestalten; aber sie teilen uns ein in die Jungen und Alten; wir lassen es zu und uns verwalten“ heißt es darin. Leandros kann mehr als nur Schlager. Das ist Botschaft. Und wenngleich die großen Gesten all ihre Lieder begleiten, wirkt die Grand Dame des Musikgeschäfts – 50 Millionen verkaufte Tonträger – doch unprätentiös. Immer wieder sucht sie den Kontakt zum Publikum. Mal tanzt sie mit einem Gast, mal reicht sie das Mikrofon an Besucher, damit diese Zeilen aus „L’amour Est Bleu“ (zu deutsch: Blau wie das Meer) zu singen. Leandros: „Ich mag Karaoke. Ihr auch?“

Zwischen all dem genehmigt sich Vicky Leandros immer wieder eine Tasse Kaffee. Nicht gerade das Getränk, das man bei einem Konzertauftritt einer Sängerin erwarten würde. Ihrer Stimme tut das wahrlich keinen Abbruch. „Diese Klangfarbe“, „diese kraftvolle Stimme“ sind Kommentare aus dem Publikum. Das lässt Leandros nicht gehen, ohne „Theo, wir fahren nach Lodz“ zu singen. Wieder nicht verebben wollender Applaus. Aber einmal gilt es „Adieu“ zu sagen. Leandros macht das mit einer A-Cappella-Version von „Amazing Grace“ in deutscher Sprache. „Auf Wiedersehen, ihr Freunde“ lautet die Übersetzung.

Von Norman Reuter

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