Planfeststellungsverfahren ab März 2018

Die A 39 auf dem Markt: Planer beantworten Fragen der Bürger

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Asphaltmaschinen und Walzen auf einer Autobahn-Baustelle. Wenn es nach Verkehrsminister Olaf Lies geht, könnten die Arbeiten für den zweiten Abschnitt zwischen Lüneburg und Bad Bevensen 2023 beginnen.

Bienenbüttel/Lüneburg. Noch ist es still in Wulfstorf. Und nach Edendorf weht allenfalls das Tuckern der Schiffe auf dem Elbe-Seitenkanal. Doch die Dorfbewohner machen sich keine Illusionen, dass ihre abgelegene Lage von Dauer wäre.

2020 könnte laut Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies Baubeginn für den Abschnitt Lüneburg sein (AZ berichtete), 2023 sollen Raupen und Asphaltmaschinen auch zwischen Bienenbüttel und Bad Bevensen rollen. Die Landesstraßenbaubehörde will jetzt die Bürger informieren, wie die AZ auf Nachfrage erfuhr.

Dabei setzen die Planer auf eine neue Form, sogenannte Info-Märkte, die in Barendorf (21. November), Bad Bevensen (23. November) und Bienenbüttel (27. November) stattfinden sollen. Vorbild ist eine ähnliche Veranstaltung, die im Bezirk Oldenburg für die A 20 erprobt wurde.

„Bürger äußern sich in großen Veranstaltungen häufig nicht. Die Idee ist, dass sie in direkten Gesprächen ihre Fragen an die Planer stellen können“, erklärt Behördenchef Dirk Möller. Die Fachleute verteilen sich dabei auf verschiedene Stände zu Themenbereichen wie Straßenentwurf, Immissionsschutz, Umwelt, Landwirtschaft und Grunderwerb. „Davon versprechen wir uns eine höhere Transparenz“, sagt Möller. Die Bürger können sich flexibel in der Zeit von 16 bis 20 Uhr informieren.

Die Informationsveranstaltungen gehen dem offiziellen Planfeststellungsverfahren voraus, das bis März 2018 eröffnet werden soll. Der zweite Bauabschnitt der Autobahn beginnt nach der aktuellen Planung bei der Verknüpfung mit der Bundesstraße 216 östlich von Lüneburg, quert den Elbe-Seitenkanal und verläuft dann zunächst parallel zu der Wasserstraße, bevor er bei Altenmedingen in südöstliche Richtung abschwenkt.

Eine große Schlacht ist bereits geschlagen. Die ersten Pläne, die bei einer Projektkonferenz 2009 in Lüneburg vorgestellt wurden, sahen eine große Tank- und Rastanlage zwischen Hohnstorf und Solchstorf vor. Dagegen protestierte nicht nur der Bienenbütteler Gemeinderat, die Bürger liefen Sturm. Die Landesstraßenbaubehörde reagierte darauf. Im überarbeiteten Rastanlagenkonzept von 2012 wurde die Anlage in Richtung Uelzen verschoben. Bei Hohnstorf gibt es lediglich einen Parkplatz mit WC.

Bedenken hat die Gemeinde Bienenbüttel für die Zukunft der B 4. „Es ist beabsichtigt, dass die B 4, nachdem die Autobahn gebaut ist, zur Landesstraße herabgestuft wird“, erklärte Bauamtsleiterin Inga Heitmann jetzt im Bauausschuss. „Da Landesstraßen nicht mautpflichtig sind, haben wir Sorge, dass sie dann vermehrt von mautpflichtigen Lkw genutzt wird.“

Der Leiter der Landesstraßenbaubehörde verweist auf einschlägige Studien. Nach der Mauteinführung seien Brummi-Fahrer zunächst auf mautfreie Strecken ausgewichen. Später sei das Aufkommen wieder gesunken, weil sich die Umwege für die Speditionen nicht lohnten, so Möller: „Ich gehe davon aus, dass der Schwerverkehr natürlich auf der A 39 fließen wird.“

Auch die Bevenser Bedenken, der gesamte Verkehr könnte durch die Kurstadt fließen, wenn die Autobahn bei Römstedt endet, teilt Möller nicht. Die Verkehrsbelastung sei „verträglich“, so der Behördenchef. Die Fahrzeuge müssten nicht unbedingt durch Bevensen rollen. „Der Verkehr kann auch im größeren Radius abgeleitet werden.“

Das Planfeststellungsverfahren zum ersten Bauabschnitt ab Lüneburg Nord läuft seit 2012. Dort konnten Oberbürgermeister und Landrat durchsetzen, dass der Abschnitt zwischen Lüne und Moorfeld zum Schutz der Anwohner einen Deckel erhält.

• Die Infomärkte finden jeweils von 16 bis 20 Uhr statt, und zwar in Barendorf in der Grundschule (21. November), in Bad Bevensen im Kurhaus (23. November) und in Bienenbüttel im Rathaus (27. November).

Von Gerhard Sternitzke

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