Maremmani-Hunde könnten Herden schützen / Hobbyzüchterin will bei Eingliederung helfen

Weiße Riesen gegen Isegrim

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Etwa 35 Kilo wiegen die Maremmani (rechts Mutter Castella, links Alessa) – und zeigen beim Spiel ordentlich Zähne.

Hohenbostel. Kaum berührt man die Eingangspforte, kommt ein weißer Berg, der bisher wie ein Gletscher vor dem Hauseingang lag, in Bewegung. Er schnellt zur Pforte, bellt mit der grummelnden Stimme eines Chris Rea, macht sich groß. Und er ist groß, sehr groß.

Das Tier ist noch ein jugendlicher Hund, zwei Jahre alt, weiblich, mit Namen Alessa.

Und eigentlich ist Alessa ein Schmusehund, das wird Sekunden nach der grimmigen Begrüßung deutlich, nachdem Hundehalterin Christine Blümlein den Fremden begrüßt und demonstrativ ins Haus gebeten hat. Alessa hat das verstanden, ihre Mutter Castella auch. Beide drängen sich an den Gast, lassen sich streicheln und hinterlassen Haare.

Alessa und Castella sind eigentlich Italienerinnen, deshalb die Namen. Ihre Rasse, Maremmano, oder auf deutsch Maremen-Abruzzen-Schäferhund, ist in Italien bekannt und üblich als Schutzhund für Herden, sagt Blümlein. „Die verbellen alles, was sie nicht kennen“, sagt die Hobbyzüchterin. Und: „Sie haben genau die richtigen Eigenschaften als Schutzhund, wenn ein Wolf kommt“, meint sie. Der Unterschied zu anderen Hunden: Der Maremmano habe einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, greift aber nicht an, es sei denn, er wird dazu gezwungen. Er stelle sich bellend und drohend zwischen Herde und fremdes Tier, stellt dem Tier aber auch nicht blindwütig nach, wenn es flieht. Dieses besonnene Verhalten sei Instinkt, meint die Züchterin.

Da sind sie friedlich: Die Hunde von Christine Blümlein.

Und wenn der Wolf angreift? Blümlein sagt: „Die Hunde sind keine Kämpfer, sondern psychologische Abwehr.“ Ein Wolf sei leichter als die Maremmani und meist kleiner. Und ein Wolf riskiere bei einem so großen Gegner keinen Kampf. Selbst eine Verletzung würde für den Wolf oft den Tod bedeuten – und beim Blick auf die Hunde wird klar, dass sie einen Wolf mindestens verletzen können.

Es habe Anfragen gegeben, auch von Schäfern, sagt Blümlein, die Geschwister von Alessa haben wollten. Der erste Wurf Castellas ist aber zunächst an Privatpersonen gegangen – Alessa soll die nächste sein, die Welpen bekommt. Und ja, diese Hunde könnten an Herden arbeiten, wenn auch, weiß Blümlein, sich das nur für wenige Schäfer lohnt.

Eine Voraussetzung, dass die Tiere als Schutzhund agieren können, sei, dass sie unter den zu schützenden Tieren aufwachsen, meint Blümlein. Die Erziehung sei nicht leicht. Maremmani seien eigensinnig: „Sie begegnen einem auf Augenhöhe, wollen respektiert werden. Und sie sind unglaublich stur.“ Damit sie als Herdenschutzhunde funktionieren, würde sie gern helfen: „Ich würde gern meine Erfahrung zur Verfügung stellen bei der Eingliederung in die Herde“, sagt sie, „weil ich weiß, wie diese Hunde ticken.“

Derweil spielen Alessa und Castella im Garten. Es geht darum, wer den Knochen haben darf. Und sie kämpfen: Alessa zieht an Mamas Schwanz, boxt sie an, die schnappt zurück. Noch im Haus waren die Tiere schwer und verschmust. Jetzt zeigen sie die Kraft und den Kampfgeist von Gladiatoren.

Von Kai Hasse

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