Gerd Richter ist neuer Vorsitzender beim Verein Bürgerbus Bienenbüttel / Freiwillige gesucht

„Man muss Spaß am Fahren haben“

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Der neue Vorsitzende Gerd Richter (69) ist seit drei Jahren ehrenamtlicher Fahrer im Verein Bürgerbus Bienenbüttel. 

Bienenbüttel-Hohenbostel. Der Bürgerbus Bienenbüttel ist das Original. 35 000 Kilometer im Jahr legt der Ford Tourneo zurück, in dem Freiwillige bedürftige und alte Menschen zum Arzt und zum Einkaufen fahren.

Inzwischen gibt es auch in Bad Bevensen und Suderburg ähnliche Initiativen. Neuer Vorsitzender in Bienenbüttel ist Gerd Richter. Der 69-jährige Rentner aus Hohenbostel ist selbst seit drei Jahren Fahrer. „Man muss Spaß am Fahren haben“, sagt er im Gespräch mit AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke.

Herr Richter, wie sind Sie zum Bürgerbus gekommen?

Vor drei Jahren traf ich eine Bürgerbus-Fahrerin, die hat gesagt: Komm doch mal vorbei. Zeit hatte ich. Seit Januar 2015 bin ich aktiv als Fahrer dabei.

Da erlebt man bestimmt Einiges?

Man lernt die Leute kennen. Und das ist das, was den Reiz ausmacht: Sich mit den Leuten zu unterhalten, zu hören, was sie gemacht haben, welche Sorgen sie haben.

Sie suchen noch Fahrer. Welche Anforderungen müssen die mitbringen?

Der Führerschein der früheren Klasse drei reicht aus. Einen Personenbeförderungsschein brauchen wir nicht. Und dann muss der Fahrer einigermaßen fit sein, muss gerne Auto fahren. Der Arbeitstag geht von 8 bis 17 Uhr. Manche Fahrer fahren einmal im Monat, manche zweimal.

Aber man kann den Dienst auch teilen?

Es gibt Kollegen, die ihn sich teilen. Der eine fährt am Vormittag, der andere am Nachmittag. Damit kann man die persönliche Belastung deutlich reduzieren. Das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren, da kann man sich auch vorstellen, dass der eine oder andere Fahrer aufhört. Wenn die Zahl der Fahrer höher wäre, wäre die Belastung für den Einzelnen natürlich nicht so hoch.

Sie haben 17 Fahrer und 153 aktive Mitfahrer. Ist damit der Bedarf gedeckt?

Bei der Zahl der Mitfahrberechtigten sind wir an eine Grenze gestoßen. Wenn wir die deutlich überschreiten, dann wäre das mit einem Auto nicht mehr zu schaffen.

Ein zweites Fahrzeug kommt für Sie nicht in Frage?

Nein. Das würde die Sache komplizierter machen. Dann bräuchten Sie auch deutlich mehr Fahrer. Mit dem einen Auto decken wir den Bedarf ab. Der Montag ist erfahrungsgemäß ein Tag, wo eher weniger zu fahren ist, der Freitag ist ein stärkerer Tag. In der Regel fahren die Leute morgens zum Arzt oder zur Massage, die Einkäufe sollen nach Möglichkeit am Nachmittag gemacht werden. Wartezeiten müssen sie in Kauf nehmen. Wir fahren Montag bis Freitag. An den Wochenenden können das die Angehörigen übernehmen.

Was sagt eigentlich das Taxiunternehmen dazu?

Die sehen den Bürgerbus auch heute noch kritisch. Auf der anderen Seite: Die meisten Leute, die wir fahren, wären finanziell gar nicht in der Lage, mit dem Taxi zu fahren. Wir unterscheiden uns ja auch deutlich vom Taxi. Wir kommen nicht auf Zuruf, sondern nur über eine Voranmeldung. Frühestens für den nächsten Tag kann man sich anmelden, und wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Prüfen Sie die Bedürftigkeit?

Die Gemeinnützigkeit muss gegeben sein. Deshalb werden die Einkommensverhältnisse geprüft. Wobei davon ausgegangen wird, dass ab einem Alter von 75 Jahren die Bedürftigkeit gegeben ist.

Wie oft fahren Ihre Nutzer im Monat?

Es gibt Leute, die fahren täglich. Das sind Frauen, die ihren Partner im Pflegeheim besuchen. Aber es gibt auch Mitfahrer, die siehst du nur einmal im Jahr.

Alte Leute sind häufig nicht so gut zu Fuß, können Sie da Hilfen anbieten. Ist das nächste Fahrzeug behindertengerecht?

Nein, das ist nicht geplant. Ein falscher Griff des Fahrers kann bedeuten, dass jemand stürzt. Deshalb muss jeder, der den Bürgerbus nutzt, selber ein- und aussteigen können. Er kann ruhig am Rollator gehen, den stellen wir hinten rein. Auch Einkäufe tragen wir in der Regel bis zur Haustür. Die Leute sind dafür dankbar.

Die Mitgliederversammlung hat den Jahresbeitrag von 10 auf 24 Euro erhöht. Hat das Mitglieder abgeschreckt?

Nein, das hat niemanden abgeschreckt, da wurde eher die Frage aufgeworfen: Reicht das überhaupt? Letztendlich sind das ab nächstem Jahr zwei Euro im Monat.

Wo gibt’s noch Probleme?

Als ich eingestiegen bin beim Bürgerbus, da war ich überrascht, wie funktionell das Ganze ist. Es gibt nur Details, der Eintrag in das Buch, das wir führen, ist manchmal etwas unübersichtlich. Aber das ist auch kein wirkliches Problem, weil man dieses Buch zusammen mit dem Fahrzeug am Vormittag übernimmt.

Nächstes Jahr soll ein neues Fahrzeug angeschafft werden. Haben Sie genug Geld?

Wir haben noch nicht genug Geld, aber wir werden noch mal um Spenden bitten. Im Moment liegt unser Spendenbestand bei 10 000 Euro. Das Fahrzeug, das wir angepeilt haben, wird um die 20 000 Euro kosten.

Der nächste Wagen: ein Elektroauto?

Nein, das ist zu teuer, und eins würde nicht funktionieren: die Übergabe des Fahrzeugs. Man müsste eine zentrale Stromladestation installieren. Uns liegt doch das Wohl der Leute am Herzen, und denen ist das doch egal, ob wir mit einem Diesel, einen Benziner oder einem Elektrofahrzeug fahren.

• Kontakt: Gerd Richter, (01 63) 3 64 14 40.

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