Taufe mit Wasser, Feuer und Mantras

Malu-Shaalina wird bei hinduistischer Zeremonie in Bienenbüttel im Leben begrüßt

Ajanthan Balachandran, Sabharika Balachandran-Ludolfs und Johannes Ludolfs lassen Malu-Shaalina beim hinduistischen Priester Ravi Karukkal taufen.
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Malu-Shaalina ist das erste Kind von Sabharika Balachandran-Ludolfs und Johannes Ludolfs (Mitte). Jetzt wurde sie nach hinduistischem Brauch vom Priester Ravi Karukkal (rechts) getauft. Ebenfalls dabei war der Onkel Ajanthan Balachandran.

VON UTE BAUTSCH-LUDOLFS
Bienenbüttel - Malu-Shaalina steht zwischen zwei Religionen: Hinduismus und Christentum. Jetzt wurde sie in Bienenbüttel in einer hinduistischen Zeremonie getauft. Wie läuft so ein Brauch ab?

Malu-Shaalina wurde am 25. Juni in Lüneburg geboren. Sie ist das erste Kind von Sabharika Balachandran-Ludolfs und Johannes Ludolfs. Normalerweise leben beide in Hagen in Nordrhein-Westfalen, aber der am Ende verlorene Kampf von Sabarikas Vater auf der Intensivstation in Lüneburg ließen sie nun seit April in Bienenbüttel verweilen. Das hat auch seine Gründe, die in der hinduistisch-tamilischen Verbindung des Paares liegen. Vor drei Jahren berichtete die AZ bereits über ihre Vermählung mit 450 Gästen in der Uelzener Stadthalle mit aufgebautem Schrein. Jetzt wurde Malu-Shaalina nach hinduistischem Brauch getauft.

Rasur für Neugeborenes

Gemäß der Religion durfte das Baby, dessen klangvoller tamilische Beiname so viel wie „bescheiden“ bedeutet, bis 31 Tage nach der Geburt, nicht in ein anderes Gebäude. Dies ist einer der Bräuche, um das Baby und seine Mutter gut zu beschützen. So blieb die junge Familie im Haus des Bruders Ajanthan Balachandran in Bienenbüttel. Gemäß den Vorgaben musste das dunkle Haar der Neugeborenen rasiert werden. „Da Hindus an Wiedergeburt glauben und die Haare des Babys ein Symbol für negative Energie des vorherigen Lebens sind“, erklärt die Mutter.

Einen Tag danach gab es das, was Christen für ihre Glaubensrichtung als Taufe ansehen würden. Wasser, Feuer, Rauch, Mantras gehörten zum Ritual. Mantras sind heilige Worte, heilige Gesänge und Gebetsformen. Rosenblätter, Räucherkerzen, Bananen, Kokosnüsse, Reis und mehr sind Teil der Rituale. Vor Ort war Priester Ravi Karukkal vom Amman-Tempel aus Hannover, der auch schon bei der Vermählung aktiv dabei war. Bei der Geburtszeremonie wurden Gebete, unter anderem zu Ganesha und Mahalakshmi gesprochen, um für Gesundheit und Wohlergehen von Malu-Shaalina, den Eltern und den Angehörigen zu bitten.

Segnung des drittes Auges

Außerdem wurde der traditionell gekleideten Malu-Shaalina ein Punkt zwischen den Augenbrauen – das sogenannte dritte Auge – als Ein- und Ausgang für eine besondere Energie und Weisheit aufgezeichnet. Dieser wurde gesegnet. Höhepunkt der Zeremonie ist, dass dem Kind von dem Bruder der Kindsmutter, dem sogenannten Thaj-Mamen, der Name dreimal ins Ohr gesprochen wird. „Somit findet die eigentliche Namensgebung statt“, erklärt Sabharika Balachandran-Ludolfs.

Zum Ende der Zeremonie, die knapp zwei Stunden dauerte, bekam die Kleine von dem Thaj-Mamen zuerst das erste Schmuckstück – eine Goldkette – bevor es dann auf der Hochzeitssari der Kindsmutter, auch Koorai genannt, gelegt wurde. Dann begann das gemeinsame Essen. Grundsätzlich wird an Tagen, an denen an hinduistischen Ritualen teilgenommen wird, auf Fleischverzehr verzichtet, um dem Glaubensgrundsatz der Gewaltlosigkeit zu folgen. Auch Alkohol zählt zu den Tabus.

Jetzt fährt die junge Familie bald wieder zurück nach Hagen. Bei der christlichen Taufe, voraussichtlich in der Dreikönigskirche Bevensen, werden sich dann viele Gäste wiedersehen.

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