Einwohner begegnen erhöhtem Verkehrsaufkommen mit Kreativität

Malereien sollen in Wichmannsburg Raser bremsen

Die Wichmannsburger begegnen dem erhöhten Verkehrsaufkommen wegen der B 4-Sperrung in Jelmstorf mit Kreativität und bunten Holzbohlen.
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Die Wichmannsburger begegnen dem erhöhten Verkehrsaufkommen wegen der B 4-Sperrung in Jelmstorf mit Kreativität und bunten Holzbohlen.

Wichmannsburg – Ein kleiner Pinguin mit einem roten 50-Schild. Ein See mit einer Insel und einem Steg. Zwei Laufenten. Ein traurig guckendes Einhorn. Diese und viele weitere Motive haben Wichmannsburger nun auf Holzbohlen gemalt.

Einige Bretter haben bereits ihren Platz an den Grundstücksrändern gefunden. So werden Autofahrer, die aus Richtung Lietzberg in den Ort fahren, von einem knallgelben Schild begrüßt, auf dem steht: „Langsam sieht man mehr.“

Raser sorgen für Ärger bei Anwohnern

„Langsam sieht man mehr“. Dieses Schild am Ortseingang aus Richtung Lietzberg kommend deutet an, worauf die Aktion abzielt: Raser sollen entschleunigt werden.

Hintergrund der Aktion ist die Sperrung der Bundesstraße 4 in Jelmstorf. Die führt – wie unter anderem in Steddorf und Eddelstorf (AZ berichtete) – auch in Wichmannsburg zu einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen. „Die Baustelle auf der B 4 können wir nicht ändern, die ist wichtig“, sagt Kathrin Ellenberg. Für Ärger unter den Anwohnern sorge auch nicht unbedingt die Tatsache, dass mehr Autos durch das Dorf rollen, sondern dass sich viele nicht an das Tempolimit von 50 Stundenkilometern halten, erklärt die Ortsvorsteherin.

Zunächst wurde der mobile Blitzer des Landkreises Uelzen aufgestellt, aktuell zeigt am Ortseingang aus Richtung Lietzberg kommend eine elektronische Anzeigetafel die Geschwindigkeiten der Autofahrer an. Beides habe schon zur Entschleunigung des Verkehrs beigetragen, berichtet Ellenberg. Dennoch sei es weiterhin keine Seltenheit, dass die Fahrzeuge mit 80 Stundenkilometern in den Ort fahren. Das bestätigt sich, als die AZ gestern für ein Foto vor Ort ist: Bei den 15 Autos, die in dem Zeitraum vorbeifahren, zeigt die Tafel achtmal einen Wert zwischen 50 und 55 Stundenkilometern an. Fünfmal liegt der Wert leicht darüber, zweimal sogar deutlich – bei Tempo 81.

Aber: „Wir wollen nicht einfach nur meckern“, betont Kathrin Ellenberg. Spontan hat sie deshalb zur der Malaktion eingeladen, mehr als 20 Anwohner sind dazu in den Pfarrgarten gekommen. Weitere haben laut Ellenberg angekündigt, später noch privat Holzbohlen bemalen zu wollen. „Das sind die Kleinigkeiten, die wir als Anwohner selbst machen können“, sagt die Ortsvorsteherin. Ziel ist es, dass die Malereien auf den Holzbohlen das Interesse der Autofahrer wecken und diese dazu animieren, langsamer zu fahren. Deshalb werden die Bretter nun nach und nach an Zäunen oder Einfahrten platziert.

Mit Kreativität gegen das Tempo-Problem

„Das hat einen schönen Doppeleffekt“, sagt eine Anwohnerin im Gespräch mit der AZ. Sie hat gerade eine lächelnde Sonne auf ein Brett gemalt. Denn neben der Hoffnung, dass der Verkehr weiter entschleunigt wird, sorgen die Bilder auch dafür, dass das Dorf bunter und lebendiger wird. „Wir wollen dem Problem mit Kreativität begegnen und nichts unversucht lassen“, erklärt dazu Kathrin Ellenberg. Eine weitere Möglichkeit wäre es demnach, dass Anwohner ihre Autos auf der Straße parken. „Das könnte zwar zu einem Hupkonzert führen“, ist sich die Ortsvorsteherin bewusst, „aber es würde helfen, den Verkehr zu verlangsamen.“ VON FLORIAN BEYE

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