Studie stellt erhöhte Zahl von Atemwegserkrankungen fest / Eckehard Niemann will härtere Regeln

Macht Stall-Luft krank?

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Mit den gesundheitlichen Risiken für Menschen, die rund um größere Stallanlagen wohnen, hat sich eine niederländische Regierungsstudie befasst.

Varendorf/Landkreis. Deutlich schärfere Maßnahmen hinsichtlich der Gesundheitsrisiken von Anwohnern großer Tierhaltungsanlagen fordert der Varendorfer Eckehard Niemann, Koordinator des Netzwerkes „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“.

Der Grund: Laut Niemann kommt eine staatliche Studie aus den Niederlanden zu dem Ergebnis, dass in der Umgebung von großen oder zahlreichen Tierhaltungsanlagen erhöhte Zahlen von Atemwegserkrankungen auftreten und das in einem Radius von bis zu einem Kilometer.

Eckehard Niemann

„Die niederländische Studie zeigt zum Beispiel eine Häufung von Lungenentzündungen im Ein-Kilometer-Umkreis um Megaställe“, führt Niemann an. Diese würden durch Feinstaub, Ammoniak-Endotoxin-Feinteilchen und Keime ausgelöst. Dem werde durch die bisherigen Abstandsvorgaben der deutschen Genehmigungsbehörden nicht Rechnung getragen, außerdem gebe es nur in wenigen Landkreisen die Pflicht zu Keimverbreitungsgutachten.

In der von Niemann zitierten und der Redaktion vorliegenden Studie heißt es aber auch, dass Asthma und Allergien der Atemwege im kurzen Abstand zu Stallanlagen seltener vorkommen. Außerdem leideten weniger Menschen an COPD. Die Lungenfunktion von Menschen in der Umgebung von vielen Ställen sei aber insgesamt vermindert. „Die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Landkreisen müssen dementsprechend die bisherigen Anforderungen bei der Genehmigung von großen Tierhaltungsanlagen überprüfen und verschärfen“, fordert Niemann.

Laut Kreissprecher Martin Theine ist der Abstand neuer Stallanlagen zur Wohnbebauung nicht pauschal geregelt, sondern werde je nach Einzelfall entschieden. Dabei spielen neben der sogenannten Einzeltiermasse die Emission von Geruchsstoffen, Feinstaub und Gasen eine Rolle. „In der Genehmigungspraxis wird der Mindestabstand in der Regel deutlich überschritten“, sagt Theine. Im Landkreis Uelzen befinde sich zudem keine Tierhaltungsanlage, welche die Grenzwerte für Gesamtstaub, einschließlich Feinstaub oder für Ammoniak auch nur annähernd erreiche. Der möglichen Gesundheitsgefahren von Keimen werde im Genehmigungsverfahren auch Rechnung getragen. Sollten sich im Einzelfall kritische Keimbelastungen zwischen Tierhaltungsanlagen und Wohnnachbarschaft ergeben, sind laut Theine Abluftreinigungsanlagen in Schweine-ställen und Anlagen für Mastgeflügel sowie bei einer Bioaerosolproblematik in Schweine- und Geflügelhaltungsanlagen vorgeschrieben.

In bestimmten Fällen müssten auch Keimgutachten vorgelegt werden. „In diesen Fällen wird auch das Gesundheitsamt am Genehmigungsverfahren beteiligt“, informiert Theine.

Von Lars Lohmann

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