Dr. Klaus Wedekind schildert, wie die Reformation in Bienenbüttel und der Region Fuß fasste

Luther-Bibel landete im Feuer

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Eberhard von Holle erbaute Schloss Grünhagen.

Bienenbüttel. Martin Luther war wohl nie in Bienenbüttel. Ohne die Erfindung des Buchdrucks hätte sich die von ihm angestoßene Reformation nie durchsetzen können, und ohne seine massenhaft verbreiteten Schriften hätte vermutlich niemand an der Ilmenau überhaupt von seinen neuen Ideen erfahren.

Tatsächlich hat die neue Konfession jedoch früh in der Region Boden gefasst. Das hat Dr. Klaus Wedekind vom Bienenbütteler Arbeitskreis Geschichte herausgefunden. Seine ersten Ergebnisse trug der Bargdorfer am Montag bei den SoVD-Frauen in Bienenbüttel vor. Im Herbst will er ein Buch über die Reformation in Bienenbüttel und Wichmannsburg in der Spuren-Reihe veröffentlichen.

Dr. Klaus Wedekind erforscht die Geschichte der Reformation.

„Nicht nur die Lutherstätten haben Bedeutung für die Reformation, sondern auch das platte Land“, stellt der Historiker klar. Und schildert, wie führende Personen der Region in den Jahren nach den Thesen von 1517 auf die neue Lehre reagierten. So warf die damalige Äbtissin des Klosters Medingen eine plattdeutsche Bibelübersetzung, die ihr der in Uelzen geborene Herzog Ernst der Bekenner zusandte, umgehend ins Feuer. Abt Heyno Gottschalk vom Kloster Oldenstadt fragte Luther dagegen 1528 in einem Brief um Rat – und übertrug sein Kloster dem protestantischen Landesherrn. Auch das reiche St.-Michaelis-Kloster in Lüneburg, dem die meisten Bauernhöfe und die Kirche in Bienenbüttel gehörten, wurde unter Abt Herbort von Holle evangelisch. Unter seinem Sohn Eberhard, 1555 zum Nachfolger gewählt, kam es zu einer wahren Ämterhäufung: Der Abt von St. Michaelis wurde zugleich Bischof von Lübeck und Administrator zu Verden.

Erinnerung an die Reformationszeit an der Bienenbütteler St.-Michaelis-Kirche: Wappen der Familie von Holle.

Anstelle eines früheren Sommersitzes der Michaelis-Äbte in Grünhagen errichtete er in den Jahren 1578 bis 1580 ein Schloss mit vier Türmen. Es wurde 1711 abgerissen. Heute erinnert lediglich ein Wappenstein an der Bienenbütteler St.-Michaelis-Kirche an den mächtigen evangelischen Abt. Die Glocke aus der Schlosskapelle hängt im Turm. Weniger pompös waren die Umstände der ersten evangelischen Pastoren in Bienenbüttel und Wichmannsburg, die damals noch Bynnebotel und Wychmannsburg geschrieben wurden. Dokumente ab dem Jahr 1530 dokumentieren, dass hier bereits die protestantische Lehre gepredigt wurde, vor allem aber, wie die Pastoren lebten. Sie waren nämlich auf Abgaben der Bauern angewiesen und beschwerten sich, wenn diese säumig waren.

„Es sind die frühesten Visitationsberichte, die es überhaupt gibt“, betont Wedekind. „Das heißt, dass die Gemeinden Bienenbüttel und Wichmannsburg ganz früh lutherisch waren.“

Von Gerhard Sternitzke

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