Verleger von Culturbooks stellen bei der Vorpremiere der Bienenbütteler Buchwoche ihre Autoren vor

Literarisch um den Globus

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Zoë Beck liest bei der Vorpremiere der Bienenbütteler Buchwoche aus dem Werk der Astrophysikerin Pippa Goldschmidt. Die Verleger von Culturbooks veröffentlichen Autoren von verschiedenen Kontinenten.

Bienenbüttel/Bad Bevensen. Ein Globus steht auf dem Tisch, als Jan Karsten und Zoë Beck am Donnerstagabend mit ihren Zuhörern in der Bevenser Buchhandlung Patz auf eine literarische Weltreise gehen.

Aber es wäre schwierig, die Bücher aus ihrem kleinen Verlag Culturbooks mit jeweils einem Fähnchen zu markieren, denn die Autoren sind nicht nur an einem Punkt beheimatet. Helen Oyeyemie etwa wurde in Nigeria geboren, wuchs jedoch in England auf und veröffentlichte dort bereits mit 21 ihren Debütroman. Das Bäumchen mit den Schlüsseln, das ihren aktuellen Band mit Kurzgeschichten „Was du nicht hast, das brauchst du nicht“ ziert, haben die Verleger zum ersten Termin, sozusagen der Vorpremiere der Bienenbütteler Buchwoche, mitgebracht.

Die fantasievollen Erzählungen von Helen Oyeyemi springen durch die Zeiten und Länder. Häufig greifen sie Motive aus Märchen und Mythen auf. Verleger Karsten hat die Autorin, die inzwischen in 16 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurde, bei einem Literaturfestival in Indonesien kennengerlernt – und war von ihr begeistert. Der Zuhörer lernt: Es gehört Glück und Gespür dazu, hoffnungsvolle Autoren zu entdecken.

Verlegerkollegin Zoë Beck, selbst mit zahlreichen Preisen geehrte Autorin, trifft bei einer Party eine britische Astrophysikerin, die nebenbei Geschichten schreibt. Pippa Goldschmidt beschreibt in ihrer Kurzgeschichtensammlung „Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen“, wie sich eine von den Kollegen isolierte Mitarbeiterin eines Unternehmens zu einem Aufzug mit Sprachsteuerung hingezogen fühlt. „Manchmal ist der Aufzug der einzige, mit dem ich spreche“, liest Zoë Beck vor. Die Ich-Erzählerin stellt ihm Aufgaben, aber sie spürt auch die Wärme der Maschine und hält es für einen Augenblick für möglich, dass man beieinanderliegen könne wie Mann und Frau. Angesichts künstlicher Intelligenz verschwimmen die Grenzen.

Die Verleger von Culturbooks gründeten ihren Verlag vor fünf Jahren, weil sie annahmen, dass es im digitalen Zeitalter angemessen sei, neue Literatur online zu publizieren, etwa weil Texte zu kurz zum Drucken sind, weil sie zwischen den Genres liegen oder weil Projekte aktualisiert werden sollen – offenbar ein Irrtum.

„Die Menschen, die E-Books lesen, gucken, wie viel Erotik drin ist, wie viel Blut spritzt. Da ist wenig Raum für Experimente“, hat Zoë Beck beobachtet. Für anspruchsvolle Literatur sei da kein Platz, und das heißt, auch kein Geld zu verdienen. Zudem erwarten die Autoren und ihre Agenten, dass die Werke auch gedruckt werden. Von einem aber, ob gedruckt oder digital, ist Karsten überzeugt: „Das Buch wird niemals zuende sein.“

Von Gerhard Sternitzke

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