Gerissenes Reh nahe Hohnstorf gefunden / Jäger Dieter Schweer: „Das war ein wildernder Hund“

„Leute machen es sich zu leicht“

Jäger Dieter Schweer zeigt auf den Punkt im Kornfeld nahe Hohnstorf, wo das tote Reh lag. Er ist sich sicher, dass nicht der Wolf, sondern ein wildernder Hund das Tier gerissen hat.
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Jäger Dieter Schweer zeigt auf den Punkt im Kornfeld nahe Hohnstorf, wo das tote Reh lag. Er ist sich sicher, dass nicht der Wolf, sondern ein wildernder Hund das Tier gerissen hat.

Hohnstorf. Der Aufschrei war groß, als Anwohner vor Kurzem auf einem Feld am Schulweg – ein Waldweg, der Hohnstorf und Edendorf verbindet – nahe des Hohnstorfer Ortsschildes ein gerissenes Reh fanden: „Das war der Wolf. Der ist wieder so nah an den Häusern.“

Die Sorge der Anwohner war groß. Wie sie es derzeit in vielen Orten ist, in deren Nähe der Wolf sein Unwesen treibt.

„Die Sorge ist verständlich“, sagt Dieter Schweer, der die Jagd in Hohnstorf gepachtet hat. Doch in diesem Fall ist er sich sicher: „Das war kein Wolf, sondern ein wildernder Hund.“ Schweer zeigt auf seinem Smartphone Bilder von dem gerissenen Reh: Der Hals ist nahezu unversehrt, auch die Hinterläufe weisen keine Biss- oder Reißspuren auf, der Bauch dagegen ist aufgerissen, die Eingeweide sind zerfetzt.

„So reißt kein Wolf“, sagt der Jäger bestimmt. Wenn Isegrim ein Reh oder Damwild reißt, gehe er zunächst an die Kehle und fresse dann an der Keule – sprich: dem Hinterlauf. „Wölfe fressen gar keine Eingeweide“, betont Schweer. Seine Frau Dr. Heike Schweer, die seit rund 40 Jahren jagt und zudem Tierärztin ist, bestätigt das. Und auch die übrigen Jäger in Hohnstorf und Edendorf seien sich einig, dass es sich nicht um einen Wolfsriss handelt, berichtet Dieter Schweer. Keinesfalls wolle er abstreiten, dass es in Hohnstorf bereits Wolfsrisse gegeben hat. Aber: „Die Leute machen es sich zu leicht, wenn sie immer sofort sagen, dass es der Wolf war“, mahnt Schweer. Allerdings: „Hier im Ort kann man gut mit den Menschen sprechen.“

Dass in Hohnstorf und Umgebung gerissene Rehe gefunden werden, komme ohnehin nur drei- bis viermal im Jahr vor. „Man muss aber bedenken, dass wir nur etwa ein Drittel finden, zwei Drittel sind die Dunkelquote“, sagt der Jagdpächter. Bei einer von der Unteren Jagdbehörde festgesetzten Abschussquote von 20 Rehen pro Jahr ist der Anteil der gerissenen Tiere schon ziemlich hoch.

Gerade in den Monaten August und September seien die Ricken und Kitze noch recht schwach, sodass sie für große Hunde eine leichte Beute seien, erklärt Dieter Schweer. Viele Hundebesitzer gehen mit ihren Hunden ohne Leine spazieren, lassen sie also frei laufen. „Andere fahren aus Faulheit sogar nur mit dem Auto und lassen den Hund nebenher laufen“, berichtet Schweer von seinen Beobachtungen. Wenn der Hund erst einmal Witterung aufgenommen hat, könne der Mensch gar nicht reagieren. „Und wer weiß, was der Hund gemacht hat, wenn er erst 15 Minuten später wieder auftaucht.“ Häufig bekomme er Anrufe von Hundebesitzern, die beim Spaziergang ein gerissenes Reh gefunden haben, berichtet der Jäger: „Da heißt es dann gleich: Das war der Wolf.“

Dieter Schweer wünscht sich, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner nicht ohne Leine laufen lassen. Das ist aber nicht nur in seinem Interesse: „Das aktuelle Jagdrecht erlaubt es Jägern, freilaufende Hunde, die sich mehr als 300 Meter vom letzten Haus eines Dorfs befinden, zu schießen“, gibt der Jäger zu bedenken. Bislang habe er das noch nie getan, „weil ich einfach keine Lust auf den Ärger mit meinen Nachbarn habe“.

Von Florian Beye

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