Gemeindebücherei Bienenbüttel jetzt mit Onleihe / Bibliotheksverbund bietet über 16 000 Titel

Lesestoff ohne Ende – digital

+
"Das ist so wie in der Bibliothek“, sagt Büchereileiterin Maike Mammen über die digitalen Bücher, die jetzt in Bienenbüttel angeboten werden. „Man hat drei Wochen zum Lesen, dann wird das Buch gelöscht.“

Bienenbüttel. Da staunt der Gelegenheits- und Vor-dem-Schlafengehen-Leser: Nicht weniger als sechs dicke Wälzer legt die Dame mit dem Krückstock in ihren Leinenbeutel. Sechsmal über 1000 Seiten in drei Wochen Leihfrist.

Kinder bringen Bilder- und Abenteuerbücher zurück und suchen sich eine neue Lektüre für den Rest der Ferien aus. Eine Frau braucht keine Mahngebühr zahlen, weil die Bienenbütteler Gemeindebücherei in der vorigen Woche krankheitshalber geschlossen war. Es herrscht Andrang am Tresen. Zukünftig wird es Leser geben, die Maike Mammen und ihre zwei Kolleginnen nur noch einmal im Jahr sehen – zur Verlängerung des Leseausweises. Ab sofort bieten sie die Onleihe an. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften können auf Computer, Tablet, Smartphone oder E-Book-Reader geladen werden.

Mit einem Schlag können die Bienenbütteler Leser aus einem Angebot auswählen, das sonst nur größeren Stadtbibliotheken vorbehalten ist. 16 400 Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftentitel stehen zur Verfügung, insgesamt 54 000 Exemplare (denn die Bestseller müssen mehrfach vorhanden sein). Möglich macht das die Internetdatenbank Nbib24, ein Zusammenschluss, dem mittlerweile 95 Bibliotheken in Niedersachsen angehören. Je mehr Büchereien sich anschließen, umso mehr Titel kann der Verbund anschaffen. Die Kosten bemessen sich nach der Einwohnerzahl, Bienenbüttel investiert einmalig knapp 4600 Euro und einen Jahresbeitrag von rund 1700 Euro.

Die Nutzer zahlen nichts extra. Sie können die neuen Möglichkeiten mit dem normalen Leseausweis nutzen.

„Das ist eine zusätzliche Auswahl zu unserem Bestand“, sagt Maike Mammen. „Das E-Book ist schön, um es in den Urlaub mitzunehmen, für diejenigen, die in Hamburg arbeiten, gut im Zug zu lesen. Und für Senioren ist es gut, dass sie die Schrift vergrößern können.“ Wie man den E-Reader bedient und die Buchtitel aufs Gerät lädt, können die Bibliothekarinnen an drei Mustergeräten erklären, die gegen eine kleine Gebühr auch für kurze Zeit nach Hause entliehen werden können. „Das ist so wie in der Bibliothek“, meint Maike Mammen. „Man hat drei Wochen zum Lesen, dann wird das Buch gelöscht.“ Verlängerung ausgeschlossen, wenn der nächste vorgemerkt ist. Amazon-Reader sind nicht geeignet.

10 000 Medien, 800 Leser hat die Gemeindebücherei in Bienenbüttel. Dass ihre Arbeit überflüssig wird, glaubt Maike Mammen nicht: „Weil es ganz viele vorziehen, ein Buch in den Händen zu halten – mich eingeschlossen.“ Zum Glück können jetzt auch Bücher aus Papier im Internet verlängert oder vorgemerkt werden.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare