Experte Frank Corleis gibt Eltern Tipps für den Umgang von Schülern mit digitalen Medien

„Lernen Sie von Ihren Kindern“

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Kinder nutzen heute regelmäßig Smartphones und andere digitale Medien. Experte Frank Corleis warnt Eltern vor allem davor, dass ihre Kinder im Internet alleine mit fremden Menschen chatten könnten.

Bienenbüttel. Kinder kommen heute bereits in jungem Alter mit digitalen Medien wie Smartphone und Computer in Kontakt. Dementsprechend früh nutzen sie das Internet.

Frank Corleis

Auch an der Grundschule Bienenbüttel lernen Dritt- und Viertklässler den Umgang mit dem Computer, Smartphones dagegen sind verboten. Für den Unterricht am Computer ist in Bienenbüttel Dr. Frank Corleis zuständig, Leiter des Lüneburger Umweltbildungszentrums „Schubz“. Sein Dissertationsthema waren digitale Medien. Auf Infoabenden gibt er Eltern Tipps.

Wie viel Zeit sollten Kinder pro Woche höchstens am Computer verbringen?

Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren sehen den Computer als Spielmedium und sollten höchstens drei bis fünf Stunden pro Woche davor verbringen, sagt Corleis. Ab etwa elf Jahren verstehen sie erst, dass nicht alles, was sie im Internet lesen, auch wahr ist.

Ab welchem Alter macht es Sinn, Kindern ein eigenes Smartphone zu kaufen?

Das handhaben Eltern ganz unterschiedlich, weiß Corleis: „Einige Dritt- und viele Viertklässler haben heutzutage bereits eigene Smartphones.“ Seine Empfehlung: „In der fünften Klasse sollten Kinder ein eigenes Smartphone haben.“ Kinder, die dann keins besitzen, könnten ausgeschlossen werden, weil oft im Klassenverband über Whats-App kommuniziert werde.

Welche Gefahren lauern im Internet?

Eine große Gefahr ist das Chatten mit fremden Menschen, sagt Frank Corleis. Denn Kinder wissen nicht, dass die Person, mit der sie gerade schreiben, vielleicht nicht die Person ist, für die sie sich ausgibt. „Dann heißt der neunjährige Steve in Wirklichkeit vielleicht Alfred und ist 80 Jahre alt“, gibt Corleis ein Beispiel. Auch dass Kinder im Internet auf unangemessene Seiten wie Porno-Websites oder Gaming-Portale stoßen, könne natürlich vorkommen.

Wie können Eltern ihre Kinder davor schützen?

Dafür gibt es am Computer technische Möglichkeiten, erklärt Frank Corleis. So sei es zum Beispiel möglich, über die Einstellungen am Computer nur bestimmte Internetseiten für Kinder zuzulassen. Zum Thema Chatten im Internet rät Corleis: „Im Grundschulalter sollten Ihre Kinder nicht alleine chatten.“ Schwieriger sei es beim Smartphone, weil man als Eltern nicht immer dabei sei, wenn die Kinder im Internet surfen.

Welche Möglichkeiten haben Eltern dann überhaupt noch?

Wichtig sei Aufklärung, betont Frank Corleis. „Eltern müssen tätig werden und sich dafür interessieren, was ihre Kinder am Computer oder Smartphone machen.“ Er empfiehlt: „Lernen Sie auch von Ihren Kindern.“ Diese wünschten sich das und freuten sich darüber, dass sie gehört werden. Zudem müsse man Dinge ganz offen ansprechen und Regeln vereinbaren.

Wie können solche Regeln aussehen?

Auf jeden Fall sollte man festlegen, dass die Kinder keine persönlichen Daten und keine Fotos im Internet preisgeben, sagt Corleis. Das Vereinbaren von internetfreien Zonen und Zeiten, zum Beispiel beim Essen mit der Familie, kann auch helfen. „Generelle Verbote bringen wenig.“ Weiter komme man mit Offenheit und Vertrauen.

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind im Internet doch auf einen Pädophilen oder Betrüger gestoßen ist?

Unbedingt sollte man solche Fälle melden und anzeigen, betont Frank Corleis. „Am besten wäre es sogar, wenn man Screenshots von den auffälligen Chats macht“, sagt der Experte. Diese können dann später als Beweis bei der Polizei vorgelegt werden.

Von Florian Beye

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