Liedermacher Klaus Hoffmann auf musikalischer Erinnerungsreise

Leise und nachdenklich

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Zwei Stunden lang unterhielt Klaus Hoffmann mit seinen poetisch-nachdenklichen Liedern am Samstagabend das Publikum im Gut Bardenhagen. 

Bardenhagen. Wenn es in diesen Tagen einen musikalisch-poetischen Gegenentwurf zur großmäuligen Polit-Pöbelei eines Donald Trump gibt, dann stammt er von Klaus Hoffmann.

„Glaube-Liebe-Hoffmann“ lautet die Losung des 65-jährigen Sängers, Schauspielers, Autors und Liedermachers. Unter dieser sanfte Botschaft für innere Angelegenheiten bespielt er seit über 40 Jahren Kneipen und Bühnen der Republik. Samstagabend stellte er, begleitet von Pianist Hawo Bleich, im ausverkauften Gut Bardenhagen seine CD „Leise Zeichen“ vor.

Dabei ging es überraschend beschwingt und locker los: Mit dem eingängigen, „Lalala“ bringt der Berliner Barde das ihm an den Lippen klebende Publikum auf Betriebstemperatur, bevor er sich schon mit dem nächsten Song „Die Stadt hat heute Dein Gesicht“ seinen Lieblingsthemen zuwendet: der Liebe und der von Träumen und unzerstörbarer Hoffnung genährten Sehnsucht nach einer besseren und friedlichen Welt. Es ist der Beginn einer zweistündigen, musikalischen Erinnerungsreise, in der Hoffmann seine Lieder nicht ansagt, sondern sie jeweils einbettet in meist sentimental-melancholische, manchmal aber auch humorvoll-ironische Kurzgeschichten und Anekdoten aus seinem Leben.

Er erinnert sich an seine vom frühen Tod des Vaters geprägte Kindheit im Stadtteil Charlottenburg, seine Anfangszeit als Chansonnier Ende der 60er Jahre in Berlin, als er mit seinen „schwierigen Liedern“ um erste schlechtbezahlte Auftritte in den Szenekneipen der Stadt buhlte, seine abenteuerliche Reise nach Afghanistan 1970. Und er erinnert sich an seine geliebte Mutter, der er mit einer eingedeutschten Version des Jacques-Brel-Songs „Ne me quitte pas“ huldigt: „Ich erschaff‘ ein Reich, wo nur Liebe ist, wo Du Herrin bist, einer Königin gleich. Geh nicht fort von mir. Geh nicht fort…“ Und auch „Amsterdam“, ein weiterer Hit seines belgischen Idols, dem er Ende der 90er Jahre ein preisgekröntes Musical schrieb („Brel – die letzte Vorstellung“) durfte natürlich nicht fehlen.

„Er singt und säng‘ er nur die Lottozahlen, es wird die reinste Poesie daraus. Nur einer kann so unbefangen malen, mein wunderbarer, mein verrückter lieber Bruder Klaus“ , textete Reinhard Mey in seinem Geburtstagsständchen zum 60. seines Freundes. Das auch nach der vierten Zugabe mit stehenden Ovationen nicht geizende Publikum auf Gut Bardenhagen empfand das offenbar ähnlich.

Von Marcus Kieppe

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