Landesforsten wollen Brücke im Naturwaldreservat Forellenbachtal abbauen

Lebensgefahr beim Waldspaziergang durch herabfallende Äste

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Zwei romantische Wege führen durch den Naturwald Forellenbachtal. Einer von ihnen soll wegfallen, die Revierförsterei will die Brücke abbauen. Die Begründung: Der Wald ist sich selbst überlassen, durch herabfallende Äste besteht Lebensgefahr.

Grünhagen. Hier hat die Natur Vorfahrt: Abgestorbene Bäume liegen auf dem Boden, andere streben in den entstandenen Lücken zu Licht, und mitten durch die Wildnis schlängelt sich der Forellenbach.

Förster Karsten Lührs markiert am Eitzener Kirchsteig abgestorbene Eschen, die zur Sicherheit gefällt werden müssen.

Im Naturwaldreservat Forellenbachtal werden auf einer Fläche von 3,8 Hektar schon seit Jahrzehnten keine Bäume mehr geerntet. Die malerischen Wald schätzen auch die Grünhagener, die hier regelmäßig spazieren gehen. Doch auf einen der Wege sollen sie zukünftig verzichten. Die Landesforsten wollen eine der beiden Holzbrücken über den Bach abbrechen. Das hat auch etwas mit einem Pilz zu tun, dem Verursacher des Eschensterbens, dem Falschen Weißen Stengelbecherchens. „Der Pilz unterbricht die Saftbahnen in der Rinde. Der Baum stirbt ab“, erklärt Karsten Lührs, Leiter der Revierförsterei Bobenwald. Auch im Forellenbachtal zeigen sich an stattlichen Bäumen trockene Äste. Einige Kronen sind kahl, manche Bäume schon umgestürzt.

Im Naturwald dürfen sie das auch. An den Spazierwegen jedoch ist Gefahr in Verzug. Die Landesforsten sehen auch haftungsrechtliche Probleme. „Ich kann nachvollziehen, dass dies die Leute schwer trifft, wenn sie hier nicht mehr gehen dürfen“, räumt Lührs ein. „Aber ich kann das nicht verantworten. Hier besteht tatsächlich Lebensgefahr.“ Bäume aus Sicherheitsgründen zu fällen, würde dem Gedanken des Naturwaldes nicht gerecht. Zudem sei die Brücke sanierungsbedürftig.

Die zweite Brücke, im Verlauf des historischen Eitzener Kirchsteigs gelegen, soll erhalten bleiben. Hier hat der Revierförster bereits einzelne Bäume mit der Sprühpistole markiert. Der blaue Punkt bedeutet: Tote Äste sollen aus der Krone herausgeschnitten werden. Der rote Strich heißt: Fällen! 20 Eschen müssen weichen. Das Holz darf liegen bleiben, aber es kann keine Spaziergänger mehr treffen. Die Brücke bekommt ein neues Geländer.

Andreas Feige ist gegen die Schließung gerade des kürzeren Spazierwegs: „Wir Grünhagener wollen, dass beide Brücken erhalten bleiben“, betont der Ortsvorsteher. Immerhin sei die Runde über den Eitzener Kirchsteig anderthalb Kilometer länger. Die Brücke sei noch stabil genug für Fußgänger. Feige schlägt vor, mit einem Schild auf den Naturwald und auf die Gefahr herabfallender Äste hinzuweisen.

Die Spaziergänger hätten den Naturgenuss dann auf eigene Gefahr.

Von Gerhard Sternitzke

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