Nach Schlaganfall: Heinrich Ehlers aus Wichmannsburg engagiert sich wieder in der Feuerwehr

Ins Leben zurückgekämpft

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Mit seinem dreirädrigen Fahrrad kann sich Heinrich Ehlers aus Wichmannsburg gut ein Jahr nach seinem Schlaganfall sicher fortbewegen.

Wichmannsburg. Weil ihm schwindelig und übel ist, liegt Heinrich Ehlers in seinem Bett. Als er auf die Toilette gehen will, merkt er, dass er sich nicht mehr auf den Beinen halten kann. Seine Stimme schwindet. Die Beine werden weich, seine Frau Heidi muss ihn stützen.

Heinrich Ehlers wird ins Lüneburger Krankenhaus gebracht. Dort stellen die Ärzte einen Schlaganfall fest, ausgelöst durch eine verengte Ader im Hinterkopf. Im Krankenhaus wird Ehlers ein Stent eingesetzt, bevor ihn die Ärzte ins künstliche Koma versetzen.

Zeitsprung. Heinrich Ehlers steigt auf sein dreirädriges Fahrrad und dreht bei frühlingshaftem Wetter eine Runde im Wohngebiet in Wichmannsburg. „Radfahren ist für mich noch einfacher als zu Fuß gehen“, erzählt der 67-Jährige. Seine linke Gesichtshälfte hängt, im linken Ohr trägt er ein Hörgerät – Folgen des Schlaganfalls, den er am 3. Januar des vergangenen Jahres erlitten hatte.

Heinrich Ehlers hat sich zurück ins Leben gekämpft oder ist – wie er selbst sagt – „noch immer dabei“. Kürzlich ist er zum Schriftführer der Feuerwehrsenioren in der Gemeinde Bienenbüttel gewählt und für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr geehrt worden. Ehlers nimmt zudem wieder an einer Kniffelrunde teil und will im Herbst dieses Jahres als Ausbilder an der Truppmann-Ausbildung neuer Feuerwehrleute mitwirken.

Der Weg dahin ist alles andere als leicht gewesen. „Etwa sieben Wochen lang konnte ich wegen eines Luftröhrenschnitts nicht sprechen“, erzählt Heinrich Ehlers. Das Schwerste sei für ihn gewesen, im Kopf alles klar mitzubekommen, aber mit niemandem darüber sprechen zu können, wie es weitergehen würde. Die Ärzte gehen zunächst davon aus, dass der schwere Schlaganfall zu viele Teile des Gehirns zerstört hat. „Sie haben meiner Frau geraten, einen Heimplatz für mich zu suchen, weil ich das Krankenhaus als Schwerstpflegefall verlassen würde.“

Seine Frau Heidi ist es auch, die als erste feststellt, dass im Kopf ihres Mannes doch noch vieles funktioniert. „Sie hat mir gesagt, dass ich blinzeln soll, wenn ich ‘ja’ meine, und ihre Hand drücken bedeutet ‘nein’“, erinnert sich der Wichmannsburger. Das klappt gut. Die Ärzte lassen Ehlers in eine Reha-Klinik nach Jesteburg verlegen, wo die eigentliche Therapie beginnt.

„Ich musste vieles neu lernen: schlucken, essen, gehen“, erzählt Heinrich Ehlers. Drei Monate wird er über einen Schlauch ernährt, kann sich nicht selbst hinsetzen oder waschen. „Wenn man nichts kann, ist das schon ein schlimmes Gefühl, ein bisschen entwürdigend.“ Eine Therapeutin stellt Ehlers letztlich vor die entscheidende Wahl: entweder ein Leben lang im Rollstuhl und darauf warten, dass es irgendwann besser wird, oder selbst daran arbeiten, dass es besser wird. „Ich habe mir gesagt: ‘Du willst 100 Jahre alt werden, du kannst deiner Frau nicht über 30 Jahre zur Last fallen’“, erzählt Heinrich Ehlers.

Er entscheidet sich für den Kampf. Auf die ersten Gehversuche an einem Gehwagen folgen kurze Strecken mit einem Rollator. „Wenn du als Erwachsener gehen lernen musst, kommst du dir echt blöd vor“, sagt Heinrich Ehlers. Nach fünf Monaten Reha kommt er nach Hause. „Der Nachbarjunge hat da auch gerade angefangen, gehen zu lernen. Er war schneller damit fertig als ich“, erzählt Ehlers schmunzelnd.

Viermal pro Woche muss Heinrich Ehlers zur Therapie, zudem macht er viel alleine zu Hause: „Liegestütze, Kniebeugen und so, damit ich wieder zu Kräften komme.“ Ohne die vielen Therapeuten und anderen Menschen, die ihn unterstützt haben – „allen voran meine Frau Heidi“ –, hätte er es nicht so weit gebracht, betont Heinrich Ehlers. Aber: „Man muss natürlich auch von sich aus wollen.“ Sein nächstes Ziel: Im Sommer will er wieder in seinem Garten arbeiten können.

Von Florian Beye

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