Weniger geerntet

Landwirte spüren die Folgen der Trockenheit bei der Wintergerste

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Ein Anhänger, beladen mit der geernteten Wintergerste, steht auf dem Hof von Harald Otter in Wulfstorf zum Abtransport bereit. Wegen der Trockenheit haben die Landwirte weniger geerntet.

Wulfstorf/Niendorf – Goldgelb leuchten die Körner, die zwei Anhänger auf dem Hof von Harald Otter in Wulfstorf ausfüllen. Der Landwirt steigt noch einmal hoch, bevor sie abgeliefert werden, und nimmt eine Handvoll.

Zufrieden ist er nicht mit der früh gestarteten Ernte der Wintergerste. Das Landvolk meldet gestern: Auch in diesem Jahr fällt die Getreideernte wegen der Hitze und Trockenheit geringer aus.

Harald Otter, Landwirt

Etwa 54 Doppelzentner Futter- und Saatgetreide, das sind sechs der großen landwirtschaftlichen Anhänger, hat Landwirt Otter geerntet. Zu wenig. „Das ist hier nicht der beste Boden, und weil es schon im letzten Herbst zu trocken war, ist die Wintergerste schon schlecht aufgelaufen“, berichtet der Wulfstorfer, der 230 Hektar Land bewirtschaftet. Auch die Wasserbilanz im Frühjahr war nicht ausreichend. „Und dann kam die große Hitze.“

Das Ergebnis sieht man durch Otters Finger rinnen. Einzelne Körner sind noch grün, auch eine Folge der Trockenheit. „Die Qualität beeinflusst das aber nicht“, betont Otter. Das Problem ist einfach die geringere Erntemenge. Dabei sind die Ausfälle nicht so groß wie im vergangenen Jahr. „Die Regenschauer, die es in diesem Jahr gab, waren hilfreich“, räumt der Wulfstorfer ein. „Und für die Pflanzengesundheit ist die Trockenheit von Vorteil.“

„Der Mai war kühl. Das ist der Wintergerste zugute gekommen. Und es gab den einen oder anderen Schauer“, bestätigt sein Berufskollege Cord-Wilhelm Müller. Deshalb falle die Getreideernte wohl besser aus als im Vorjahr. An den kühlen Tagen könne das Getreide ausreifen. Dennoch hat auch der Niendorfer Landwirt deutlich weniger Wintergerste geerntet. Es seien einfach weniger Pflanzen aufgewachsen. „Wo der Boden besser war wie im Moor, war der Ertrag besser“, erzählt er. Außerdem wurden die Pflanzen durch eine Krankheit geschwächt.

„Da hat man den Aufwand schon runtergefahren“, berichtet Müller. So habe er auf den betroffenen Schlägen weniger Dünger gestreut und die Feldberegnung später auf Kartoffeln und Zuckerrüben konzentriert – auch deshalb, weil er nur ein bestimmtes Wasserkontingent aus dem nahegelegenen Elbe-Seitenkanal verbrauchen darf.

Der Landesbauernverband hat die Ernteerwartungen aufgrund des Regendefizits und der Hitze deutlich nach unten korrigiert. Die Erträge schwanken stark. Die Wasservorräte im Boden seien aufgebraucht.

VON GERHARD STERNITZKE

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