Neonikotinoide werden gegen Läuse eingesetzt

Landkreis Uelzen: Virus lässt Zuckerrüben welken

Peter Geffert steht in einem Rübenacker bei Bornsen
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Landwirt Peter Geffert bei seinem Feld bei Bornsen. Ab April beginnt hier die Aussaat von Zuckerrüben – teilweise mit Neonikotinoiden, die einen Befall der Pflanzen von Blattläusen verhindern sollen.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Das Coronavirus ist nicht das einzige Virus, das Rübenbauern wie Peter Geffert aus Bornsen derzeit beschäftigt. Auch ein Virus, das die Rüben vergilben und verwelken lässt und so für bis zu 35 Prozent weniger Zuckerertrag sorgt, hält Landwirte auf Trab. 

Bornsen –Übertragen wird dieses Vergilbungsvirus von Blattläusen, genauer gesagt der Grünen Pfirsichblattlaus. Um deren Ausbreitung zu verhindern, wurde in einer Notfallzulassung der Einsatz vom Neonikotinoid Thiamethoxam erlaubt.

Kritik und Appell vom Nabu

Diese Zulassung kritisierte der Nabu, da die Anwendung von Neonikotinoiden das Insektensterben fördere. Der Nabu appellierte daher an die Landwirte, auf das Mittel zu verzichten. Peter Geffert, der auch im Vorstand des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenbauer aktiv ist, verteidigt die Notfallzulassung. Denn die Anwendung des Neonikotinoids sei mit Auflagen verbunden.

Nur Landwirte, bei denen das Vergilbungsvirus im Anbaujahr 2020 aufgetreten ist, dürften das Mittel auch verwenden. Auch Geffert selbst greift auf das Neonikotinoid zurück, da sein Feld teilweise betroffen gewesen sei. Zudem dürfen laut Geffert im Jahr nach der Rübenernte keine blühenden Pflanzen auf dem Feld vorhanden sein – weshalb schon rund die Hälfte der Bauern auf das Neonikotinoid verzichteten, da sie nach Zuckerrüben Kartoffeln, die wiederum Blüten haben, anbauen würden. Und: Vor der Aussaat müssen die Bauern melden, auf welcher Fläche der Stoff eingesetzt wird.

Verbreitung des Virus verhindern

Geffert betont außerdem die vorbeugende Wirkung des Neonikotinoids. Die Alternative sei, Insektizide zu spritzen, was jedoch erst nach einem Befall durch Blattläuse möglich sei. „Und bei Flächenspritzung treffe ich ja auch viel mehr Organismen“, sagt Geffert. So bestehe die Gefahr, dass nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge vernichtet würden.

Ohne das Nikotinoid müsse man zudem mit dem bloßen Auge die Felder nach der Laus absuchen. „Dann muss ich innerhalb von Stunden reagieren“, sagt Geffert. „Wir haben aber festgestellt, dass man fast immer zu spät ist. Die Ausbreitung lässt sich nicht ganz verhindern.“ Dabei sei es wichtig, eine Ausbreitung des Vergilbungsvirus prophylaktisch zu verhindern. Noch sei es in der Region zwar nicht etabliert, aber: „Das Virus ist da. Das weiß ich“, sagt Geffert.

Von einer frühzeitigen Eindämmung würden dann auch Bio-Höfe profitieren. „Es ist wie bei Corona“, erklärt Geffert, der von einer Art „Herdenimmunität“ spricht. Könne das Virus auf ausreichend Höfen mithilfe des Neonikotinoids in den Griff bekommen werden, seien auch die Höfe geschützt, die das Mittel nicht verwendeten.

Geffert appelliert außerdem an die Imker, Bienenschäden zu melden und den Einfluss des Neonikotinoids untersuchen zu lassen. „Ich kann mir als Landwirt aber nicht erklären, wie die Biene das an der Zuckerrübe aufnehmen soll“, sagt Geffert – denn Zuckerrüben haben keine Blüten, die Bienen anlocken.

Resistentes Saatgut soll Lösung bringen

Darüber hinaus wirft Geffert die Frage auf: „Was machen wir nächstes Jahr?“ Denn die Notfallzulassung gelte nur für die diesjährige Aussaatzeit. Dabei ist auch der Klimawandel als Faktor zu bedenken: Durch die vergangenen milden Winter sterben die Mutterläuse laut Geffert nicht mehr. Dies habe die Ausbreitung sonst immer verlangsamt und den Landwirten Zeit verschafft.

Dabei sei es in einer ländlichen Region wie Uelzen wichtig, dass die Rübe wachse. Denn auch die Ungleichbehandlung innerhalb Europas mache den Landwirten zu schaffen, da das Neonikotinoid zum Beispiel in Polen zugelassen sei.

Lösung des Problems soll ein Saatgut sein, das gegen das Virus resistent ist. „Da ist die Züchtung auch schon dran“, sagt Geffert, und kündigt an: „Mittelfristig wird da was kommen.“ Das bedeute aber auch, dass es für die nächsten zwei bis drei Jahren noch keine Lösung gibt.

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