Kirchengemeinden fehlt die Unterstützung aus den Dörfern / Nur zwei Ortsvorsteher beim Infoabend

„Landfahrer“ rollt schleppend an

+
Fröhlich war die Stimmung beim Auftakttermin des „Landfahrers“ im September in Hohnstorf. Das Projekt der Kirchengemeinden Bienenbüttel und Wichmannsburg kommt bislang nicht ins Rollen. Die Initiatoren wollen aber nicht aufgeben.

Bienenbüttel. Der Plan der Kirchengemeinden Bienenbüttel und Wichmannsburg ist ambitioniert, als sie im September des vergangenen Jahres das gemeinsame Projekt „Landfahrer“ vorstellen.

Mit einem umgebauten Bus wollen die Initiatoren um die Pastoren Jürgen Bade und Tobias Heyden sowie Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Tanja Klomfass auf die Dörfer fahren, um dort neue Angebote für Begegnungen zu schaffen.

Gut fünf Monate nach den Probeterminen in Wulfstorf, Bargdorf, Beverbeck und Hohnstorf zum Auftakt sitzen die Initiatoren am Montagabend im Bienenbütteler Gemeindehaus. Sie wünschen sich einen regen Austausch mit den Ortsvorstehern, um konkrete Wünsche und Ideen für die jeweiligen Dörfer zu sammeln. Das Problem: Nur zwei Ortsvorsteher – der Wulfstorfer Sören Otter und Alfred Meyer aus Beverbeck – sind der Einladung gefolgt.

Ernüchterung macht sich breit. „Das ist schon ein Zeichen“, sagt Sigrid Grote, die seit Projektbeginn dabei ist. Man müsse offen darüber sprechen, dass das Projekt nicht so gut ankomme. Bade spricht sogar davon, den Landfahrer schon vor dem eigentlichen Start aufzugeben: „Wenn keine Unterstützung aus den Orten kommt und der Wunsch nicht da ist, sollten wir vielleicht Abstand davon nehmen.“

Er habe das Gefühl, dass den Menschen nichts fehle, berichtet Alfred Meyer aus dem Ort Beverbeck. Selbst mit viel Werbung wäre es wohl schwierig, überhaupt zehn Leute für ein neues Angebot zusammenzukriegen, vermutet er. Der gleichen Meinung ist auch Kai Elvers aus Edendorf, Mitglied im Kirchenvorstand Wichmannsburg: „Ich glaube, dass es nur wenige Menschen sind, die man mit einem neuen Angebot erreichen könnte. Und da ist die Frage: Wollen die überhaupt erreicht werden?“ Er habe noch keine Idee, wie ein Angebot für Wulfstorf aussehen könnte, erklärt Sören Otter. Sinn würde aus seiner Sicht machen, die Dorfvereine einzubeziehen.

Diesen Hinweis nehmen die Initiatoren mit Wohlwollen auf. „Vielleicht sollten wir uns einfach mal einladen“, schlägt Jürgen Bade vor. Der Gedanke, das Projekt aufzugeben, ist damit schnell wieder vom Tisch. Man müsse darüber nachdenken, wie die Menschen auf dem Land in Zukunft zusammenleben wollen, sagt Gabriel Siller aus dem Organisationsteam. Es komme darauf an, Kräfte zu bündeln und weiter zusammenzurücken. Man müsse den Landfahrer eher als langfristiges Zukunftsprojekt sehen, meint Siller.

Die Besuche in den vier Orten hätten gezeigt, dass jedes Dorf „wie ein eigenes Universum ist“, berichtet Siller. Eine Erkenntnis sei gewesen, dass mancherorts schon viel gemeinsam gemacht wird, erzählt Tanja Klomfass. Man müsse also genau überlegen, welche Angebote man platziert, um nicht in Konkurrenz zu schon vorhandenen Aktivitäten zu treten.

„Wir brauchen einfach viel mehr Informationen aus den einzelnen Dörfern“, fasst Jürgen Bade zusammen. Deshalb sollen jetzt erneut Gespräche mit allen Ortsvorstehern aufgenommen werden. „Zur Not kommen wir zu ihnen, wenn sie nicht zu uns kommen.“

Von Florian Beye

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare