Katja Konwer lebt mit einer gespendeten Leber / Im „Dorfgespräch“ erzählt sie ihre Geschichte

Und sie lächelt trotzdem

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Im Bienenbütteler „Dorfgespräch“ mit den Moderatoren Björn Pamperin und Loni Franke holt Katja Konwer ein Urlaubstütchen hervor mit Fotos von der jüngsten Freizeit der Transplant-Kids, Seife und Sonnencreme. Foto: Sternitzke
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Immer ein Lächeln auf den Lippen: Im Bienenbütteler „Dorfgespräch“ mit den Moderatoren Björn Pamperin und Loni Franke holt Katja Konwer ein Urlaubstütchen hervor mit Fotos von der jüngsten Freizeit der Transplant-Kids, Seife und Sonnencreme.
  • Gerhard Sternitzke
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Bienenbüttel. Warum sind Menschen, die gesund sind und alles haben, so unglücklich? Katja Konwer hat nicht viel Geld, und gesund ist sie auch nicht.

Vor elf Jahren sprang die Bienenbüttelerin dem Tod nur knapp von der Schippe, weil ein fremder Toter seine Leber gespendet hatte. Sie überwand den Brustkrebs und steckte die Entnahme ihres Dickdarms weg. Viele Gründe, um zu verzweifeln. Katja Konwer aber lächelt auch an diesem Abend, als sie in der Talkrunde mit Lonie Franke und Björn Pamperin, dem „Dorfgespräch“, ihre Geschichte erzählt.

Für die Zuhörer sind das beklemmende Momente: Der fühllose Arzt, der die 20-jährige Arzthelferin mit der knappen Diagnose Gallenstenose allein lässt. „Sie wissen ja, dass Sie krank sind. Wenn Sie keine neue Leber bekommen, dann sterben Sie.“ Das bange Warten der jungen Frau, die inzwischen als Krankenschwester arbeitet, auf ein Spenderorgan. Die sieben Jahre in München – in einer Situation, in der ein Mensch auf Familie und enge Freunde zurückgeworfen ist. „Ich wollte nicht in Bienenbüttel geboren sein und sterben“, sagt die 45-Jährige heute. „Ich wollte noch was erleben.“

Da ist der wahnsinnige Juckreiz, der die junge Frau ihren Körper blutig kratzen lässt. Der Anruf aus dem Krankenhaus, als sie gerade auf der Heimfahrt vom Gitarrenkreis in Wichmannsburg ist. Der Augenblick auf dem Operationstisch, kurz vor der Narkose. Die vorsorglich geschriebenen Abschiedsbriefe, die sie der besten Freundin übergibt. „Ich hatte keine Angst, nicht wieder aufzuwachen“, erzählt Katja Konwer.

Eine eindeutige Antwort auf die aufgeworfene Frage nach dem heiteren Lebensmut der Bienenbüttelerin gibt es natürlich nicht. Vielleicht ist es die: Katja Konwer akzeptiert ihre Krankheit als etwas Gegebenes. Sie führt ihr Leben, so gut es eben geht. Die Krankenhausaufenthalte, in denen ihr immer neue Stents in die Gallengänge gesetzt werden, sind in der Zeit des Wartens auf das Spenderorgan Routine. „Man muss da durch, wenn man leben will.“

Letztlich ist alles eine Frage der Perspektive: Katja Konwer lamentiert nicht über die lebenswichtigen Medikamente, die notwendig sind, damit das geschenkte Organ nicht abgestoßen wird – sondern sie fühlt Dankbarkeit für den Unbekannten oder seine Eltern, die bereit waren, die Leber des Hirntoten zu spenden, damit ein anderer Mensch leben konnte.

Organspende ist ein heikles Thema. Seit den Skandalen um manipulierte Wartelisten warten todkranke Patienten noch länger auf ein Herz, eine Niere, eine Leber. Wenn man gesund ist, ist es unangenehm, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Katja Konwer, die mit anderen Organtransplantierten seit neun Jahren im Verein „Transplant-Kids“ Ferienfreizeiten für transplantierte Kinder organisiert, sieht es so: „Ich glaube, wenn diejenigen in meiner Situation wären – dann klammert man sich an jeden Strohhalm. Dann möchte man doch leben.“

Von Gerhard Sternitzke

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