300.000 Euro Schaden

Kupferdieb steht vor dem Landgericht: Bande schlug in der Region zu

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Boris A. berät sich mit seinem Anwalt Ulrich Albers, eine Dolmetscherin übersetzt. A. gibt in dem Prozess an, er sei lediglich der „Chauffeur“ der Bande gewesen sei.

Lüneburg. Eine Bande von Metalldieben zog 2012 und 2013 durch die Region und erbeutete Kupferkabel, Metallschrott und Maschinen im Wert von rund 300.000 Euro.

Die Bande schlug unter anderem auch in Uelzen bei der Firma Winkelmann Elektromotoren zu und wurde dabei auf frischer Tat ertappt. Am Landgericht Lüneburg muss sich jetzt der 29-jährige Boris A. vor der 2. großen Strafkammer verantworten. Er ist wegen bandenmäßigem Einbruchdiebstahls in 17 Fällen angeklagt. Der Serbe hatte sich zunächst in seine Heimat abgesetzt und war erst im Mai im niederländischen Eindhoven gefasst worden. Zunächst sah alles nach einem schnellen Prozessende aus, weil A. sich geständig zeigte.

Boris A. verantwortet sich vor dem Landgericht für bandenmäßigen Einbruchdiebstahl in 17 Fällen

Alles auf Anfang im Prozess gegen den 29-jährigen Metalldieb Boris A. vor der 2. großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg: Da ein Richter erkrankte, musste das ursprünglich im Oktober begonnene und bereits nach zwei Verhandlungstagen abgebrochene Verfahren gestern neu gestartet werden. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, in den Jahren 2012 und 2013 zusammen mit elf weiteren Tätern, in wechselnder Beteiligung, aber mindestens zu viert, in Lagerhallen in Lüneburg, Uelzen, Hamburg und Umgebung eingebrochen zu sein und dabei Kupferkabel, Metallschrott und Maschinen im Wert von über 300 000 Euro erbeutet zu haben. Während einige der Bandenmitglieder am 10. Februar 2013 beim Einbruch in die Uelzener Winkelmann Elektromotoren GmbH im Gewerbegebiet „Neuen Felde“ auf frischer Tat festgenommen und zusammen mit weiteren Mittätern im April 2014 am Landgericht Lüneburg auch zu Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren verurteilt wurden, konnte sich Boris A. in seine serbische Heimat absetzen und wurde erst am 9. Mai 2018 in der niederländischen Großstadt Eindhoven gefasst.

Da er zumindest grundsätzlich geständig ist, sah es zunächst auch nach einer rasanten Verkürzung des eigentlich auf zehn Verhandlungstage angesetzten Verfahrens aus. Nach Verständigungsgesprächen zwischen A.‘s Anwalt Ulrich Albers und Oberstaatsanwältin Heike Lalla einigte man sich auf ein Strafmaß von drei bis dreieinhalb Jahren, womit sich auch die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Thomas Wolter nach langer Beratung anfreunden konnte – vorausgesetzt A. gesteht alle Taten im Wortlaut der Anklage: „Ich kann Ihnen nur raten, dem zuzustimmen“, redete Wolter dem Angeklagten ins Gewissen, „es ist das Beste, was Ihnen passieren kann, ein richtiges Weihnachtsangebot. Sie sollten Halleluja schreien und die Hände zusammenschlagen.“ Als A. jedoch nach einer weiteren Besprechung mit seinem Anwalt nur noch sechs bis sieben Taten einräumte und vorgab, im ersten Fall nichts von den verbrecherischen Motiven seiner Mittäter gewusst zu haben, platzte Wolter der Kragen: „Mir reicht’s! Ein klares Geständnis wäre, wenn Sie sagen würden: ‘ich wusste, es war eine Bande und bin da nicht irgendwie ‚reingeschlittert’.“ Doch genauso fühlt sich A. offenbar, der bis heute betont, dass er eigentlich nur der „Chauffeur“ der Bande war und sich daher nicht wirklich einer Mittäterschaft bewusst ist. Der Prozess wird am 9. Januar fortgesetzt.

Von Marcus Kieppe

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