Müll auf Steddorfer Acker: Anbaubeschränkung für den Landwirt / awb hält Lieferstopp aufrecht

Kompostbetrieb bleibt geschlossen

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Reste aus öffentlichen Kompostanlagen wurden bei der Firma Lünerecycling ein zweites Mal gesiebt. Nachdem letztlich durch menschliches Versagen Verunreinigungen auf einen Steddorfer Acker gelangten, gelten besondere Sicherheitsvorkehrungen. 

Steddorf. Bunte Kunststoffschnipsel, Folienfetzen, Glasscherben: Müll auf einem Acker am Ortsrand sorgt vor einem Vierteljahr für Aufregung in Steddorf (AZ berichtete).

Mit Kompost aus einem Recyclingbetrieb in Embsen bei Melbeck ist er auf die landwirtschaftliche Fläche gelangt. Jetzt ist das Feld bewachsen. Die Geschichte um den verunreinigten Biodünger ist jedoch noch nicht ausgestanden.

„Für den betroffenen Landwirt gibt es Auflagen bezüglich der Nutzbarkeit der Fläche“, teilt Kreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage mit. „Das heißt konkret, er darf dort bis auf Weiteres zum Beispiel kein Gemüse oder Futtergras anbauen.“

Rückblende: Die Umweltbehörde beim Landkreis ordnet, als sie Wind von dem Vorfall bekommt, an, das Material wieder von der Fläche zu entfernen. Ein Versuch, die fein verteilten Partikel mit einem Strandreiniger aus dem teils schon umgepflügten Boden herauszuholen, scheitert. Schließlich werden sie, soweit sie noch an der Oberfläche liegen, per Hand abgesammelt, so Theine.

Für das junge Unternehmen im Gewerbegebiet Embsen, das Abfälle aus öffentlichen Kompostierungsanlagen ein zweites Mal siebt, war die Verunreinigung eine Katastrophe. Obwohl der dort produzierte Kompost laut Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg alle in der Bioabfallverordnung festgelegten Werte einhält, darf er nach wie vor kein Material an Landwirte abgeben, teilt die stellvertretende Behördenleiterin Christina Freifrau von Mirbach mit. Die Landwirtschaftskammer als Düngemittelbehörde prüft noch eine Freigabe.

Ursache der Verunreinigung war der Einsatz einer falschen und zudem defekten Siebtrommel nach einem Außeneinsatz der Maschine. „Das nur für eine kurze Zeitspanne versehentlich verwendete Sieb war zu grobmaschig und wies außerdem Löcher auf, sodass größere Teile durch die Maschen gelangen konnten“, erklärt Christina von Mirbach.

Letztlich geht es um menschliches Versagen. Die Mitarbeiter der Firma hätten nicht die nötige Sorgfalt auf das Sieb verwendet. „Außerdem fehlten konkrete Arbeitsanweisungen an die Mitarbeiter vor Ort, um eine Prüfroutine sicherzustellen“, betont die Behördenleiterin.

Inzwischen gelten klare Regeln: Die Siebtrommel muss jeden Tag kontrolliert werden. Regelmäßig wird untersucht, ob es Verunreinigungen gibt. Die einzelnen Chargen des Komposts müssen getrennt gelagert und eindeutig gekennzeichnet werden. Zudem wird jede Charge von einem Labor auf Schad- und Fremdstoffe analysiert. Auf ein Bußgeld verzichtet das Amt, weil der Betrieb kooperativ war.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb (awb) in Borg hält seinen Lieferstopp vorläufig aufrecht, so Martin Theine. Wichtig ist dem Kreis-Sprecher, dass der Vorfall nichts mit dem Kompost zu tun hat, den der awb aus dem Material der braunen Tonnen erzeugt.

„Bei dem in Borg produzierten Kompost handelt es sich um ein gütegesiegeltes Produkt, das über die festgelegten Gütekriterien hinaus auch die strengen Bioland-Anforderungen erfüllt und einer ständigen Überwachung unterliegt.“

Von Gerhard Sternitzke

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