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Kommentar: Wachstum in Bienenbüttel ist unumgänglich

Immer wieder bekommt die Verwaltung der Einheitsgemeinde Bienenbüttel Gegenwind, wenn es um neue Baugebiete geht. Im August 2016 lehnte der Bauausschuss ein geplantes Baugebiet in Hohenbostel ab, weil der Widerstand der Bevölkerung zu groß war. In Steddorf wurde ein Baugebiet umgesetzt.

Florian Beye

Doch über das dort entstandene Wellbruch II scheiden sich die Geister. Kritikpunkt sind meist die stadtvillen-ähnlichen Häuser, die eher zusammengewürfelt als wie ein zusammenhängendes Wohngebiet dastehen. Nun geht die Geschichte von Bienenbüttel und seinen Baugebieten in die nächste Runde. 13 mögliche Flächen fürs Wachstum hat die Verwaltung vor Kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt. Es gab natürlich: Gegenwind. Mehrere Bürger äußerten ihre Sorge, dass ausgerechnet in ihrem Ortsteil ein weiteres Wellbruch II entsteht und so der dörfliche Charakter verloren geht. Dort sollten Verwaltung und Politik auf den bereits angekündigten Dorfgesprächsabenden zum Thema Baugebiete ganz genau hinhören. Denn die Bienenbütteler sollten sich auch in Zukunft wohlfühlen in ihrem Zuhause.

Dass Bienenbüttel wachsen muss, steht dagegen außer Frage. Allein schon, um die vorhandene Infrastruktur mit Schule und Kindergärten, Schwimmbad und Arztpraxen sowie die Bienenbütteler Geschäftswelt am Leben zu halten. Denn ohne Zuzug von außerhalb schrumpft die Einheitsgemeinde Bienenbüttel deutlich. Ein Zahlenbeispiel: 2016 verstarben in der Gemeinde 86 Menschen, 53 Babys kamen zur Welt. Macht ein Minus von 33. Hinzu kommt, dass 373 Menschen weggezogen sind. Nur durch den Zuzug von 463 Menschen ergab sich ein Plus von 57. Um die Einwohnerzahl zu halten, ist Wachstum unumgänglich.

Zudem stehen bislang unerfüllte Wünsche im Raum: zum Beispiel der Bau einer Mehrzweckhalle und der Eintritt in den Verkehrsverbund HVV. Beides kostspielige Unterfangen für die Gemeinde. Das Geld dafür fehlt bislang. Durch den Verkauf von Bauland fließt zumindest kurzfristig Geld in die Kassen. Dieses kann dann zur Instandhaltung der Infrastruktur und für Investitionen genutzt werden. Ohne Wachstum werden diese Wünsche, die für die Vereine (Mehrzweckhalle) und Pendler (HVV) von großer Bedeutung sind, nicht realisierbar sein.

Ebenfalls unwahrscheinlich bis unmöglich ist bei gleichbleibender oder sinkender Einwohnerzahl, dass eine Drogeriemarktkette in Bienenbüttel eine Filiale eröffnet. Die braucht nicht jeder, aber viele wünschen sie sich. Also: Will Bienenbüttel vorankommen, ist Wachstum – sprich: das Schaffen neuer Wohngebiete, aber auch Mietwohnraum – die einzige Möglichkeit. Dabei sollten Politik und Verwaltung Augenmaß walten lassen, sowohl bei Anzahl und Größe der Gebiete als auch bei deren Erscheinungsbild.

Von Florian Beye

Rubriklistenbild: © dpa

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