Deutsche Umwelthilfe misst an Lüneburger Kreuzung 39,2 Mikrogramm Stickoxid

Knapp unterm Grenzwert

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„Auch wenn der Wert in Lüneburg knapp unter dem EU-Grenzwert liegt, sollte das Grund genug sein, um zu sehen, wie man den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr fördern kann“, fordert Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe. 

Lüneburg. Alltag in Lüneburg. Der Verkehr staut sich in der Lüner Straße. Im Berufs- und im Feierabendverkehr können häufig weniger Autos in die Schießgrabenstraße einbiegen, als nachrollen.

Die Ampelkreuzung mit Blick auf die ersten Giebelhäuser der Altstadt ist einer der wichtigen Knotenpunkte der Hansestadt. Fußgänger und Radfahrer, die vom Bahnhof kommen, sind den Abgasen ausgesetzt. Jetzt ist auch bekannt, wie hoch die Belastung ist. 39,2 Mikrogramm Stickoxid (NO2) pro Kubikmeter Luft hat die Deutsche Umwelthilfe gemessen. Das ist nur noch geringfügig weniger als der europäische Grenzwert, der bei 40 Mikrogramm liegt.

Dorothee Saar

„Stickoxid ist ein Reizgas, das die Schleimhäute angreift“, erklärt Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der Umwelthilfe. „Es gibt Atemwegserkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Hinweise auf Diabetes.“ An 559 Stellen in deutschen Städten hat die Umweltorganisation mit Hilfe von Freiwilligen gemessen, um auf Stadtverwaltungen, Politik und Autokonzerne Druck für mehr Luftreinhaltung aufzubauen. 67-mal wurde der Grenzwert überschritten.

Würde dieser, wie von der Umwelthilfe gefordert, auf 20 Mikrogramm gesenkt, würden 89 Prozent der Messstellen „durchfallen“, so auch die in Lüneburg. Auch die zweite Messung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) an der Altenbrückertorstraße überschreitet diesen Wert mit 34,6 Mikrogramm.

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts seien Fahrverbote für Dieselfahrzeuge möglich, wenn die Verantwortlichen es nicht schaffen, die Werte zu senken, droht Dorothee Saar. „Auch wenn der Wert in Lüneburg knapp unter dem EU-Grenzwert liegt, sollte das Grund genug sein, um zu sehen, wie man den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr fördern kann“, fordert die Expertin im Gespräch mit der AZ. So könnte ein Bürgerticket, das für alle Pflicht wäre, dazu beitragen, dass mehr Menschen vom Auto auf den Bus umsteigen. Busse und Taxen müssten auf abgasärmere Antriebe umgestellt werden. Der Rad- und Fußverkehr müsse gefördert werden.

Dabei geht Dorothee Saar sogar davon aus, dass die Messungen möglicherweise noch zu niedrig ausgefallen sind. Die sogenannten Offensammler bestehen jeweils aus zwei Röhrchen mit einer chemischen Substanz und einer Membran. Diese könnten während der vierwöchigen Messzeit bei Frost von einer Eisschicht überzogen gewesen sein, erklärt die Expertin.

Die Deutsche Umwelthilfe will auch deshalb im Juni noch einmal an 500 Stellen im ganzen Land messen. Möglicherweise hängen dann Freiwillige auch in Uelzen Röhrchen auf.

Von Gerhard Sternitzke

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