Nora Jana Niehoff aus Steddorf leidet am Asperger-Syndrom und ist besonders kreativ

Kleckse machen Bilder

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„Auf die Kleckse fertig los!“ heißt das Buch von Nora Jana Niehoff. Aufgeschlagen hat sie die Seite mit Fritz dem Flitzer. Darauf reimt sich: „Wenn er läuft, dann schwitzt er."

Steddorf. Ein Rotweinfleck auf dem Tischtuch. Der Kaffee auf der Hose. Solche Flecken machen selten Freude. Für besonders hartnäckige Exemplare gibt es sogar Fleckentferner. Nora Jana Niehoff dagegen kleckst für ihr Leben gern.

Bevorzugt verwendet sie Tee oder Fruchtsaft, den sie vom Löffel tropfen lässt. Die Kleckse umrandet sie mit dem Stift – und dann lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf. Ihre humorvollen Kleckszeichnungen gibt es jetzt als Buch unter dem Titel „Auf die Kleckse fertig los!“.

„Angefangen hat alles mit Wolken“, berichtet die 21-jährige Steddorferin. Die Gebilde am Himmel sind nie gleich, und man kann in ihnen die merkwürdigsten Gestalten entdecken. Leider bleiben sie nie stehen. „Deswegen wollte ich etwas zum ‘Festhalten’.“ Das ist das Gebilde auf dem Papier, das sie häufig mehrmals dreht, bis im Kopf ein Gesicht oder ein Tier entsteht.

„Hier kommt Fritz der Flitzer, und wenn er läuft, dann schwitzt er“, steht unter einer Fantasiegestalt. Die humorigen Reime hat Nora Jana Niehoff mit ihrer Mutter Anke Schröder-Niehoff verfasst.

Die Kreativität liegt der Klecks-Künstlerin gewissermaßen in den Genen. Die Mutter malt und gestaltet Bilder aus Naturmaterialien. Vater Ulrich Niehoff ist Fotograf. Sie unterstützt ihn bei der Arbeit. So verwundert es nicht, dass Nora Jana Niehoff schon von klein auf fotografiert, ihr bevorzugtes Motiv sind Vögel. Sie verdankt diese Gabe allerdings auch einer Belastung, dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus’. Es wurde vor einem Jahr entdeckt, als die Steddorferin bereits Schule und Ausbildung zur Sozialassistentin hinter sich hatte.

„Ich wusste nur, dass ich irgendwie anders bin“, sagt die junge Frau, die shoppen gehen hasst. Denn die vielen Menschen, die Musik, die Gerüche, die optischen Eindrücke nimmt sie gleichgewichtig wahr. Dagegen kann sie sich gut in eine Aufgabe vertiefen – und entdeckt in dem Klecks mehr als andere.

„Ich denke schon, dass ich besonders kreativ bin“, meint Nora Jana Niehoff. „Dies äußert sich darin, dass ich schon von klein auf immer ein Auge für Details, Farben und Formen und eine individuelle Fantasie hatte.“ In ihren ungewöhnlichen Bildern findet sie Entspannung.

Das gilt auch für ihre Bilder aus Naturobjekten. Die Ideen entstehen aus dem Material. Da sind fliegende Fabelwesen, Elfen und sogar ein zarter, blauer Kolibri aus Blütenblättern. Vielleicht wird einmal ein Kalender daraus.

Von Gerhard Sternitzke

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