Kirchengemeinde in Bienenbüttel will Naturbestattungen anbieten

Letzte Ruhe unter Bäumen

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Jenseits der Kapelle Bienenbüttel soll nach Plänen der Michaelisgemeinde ein Ruhewald entstehen. Die politische Gemeinde könnte das fördern.

Bienenbüttel. In Bienenbüttel soll es künftig Baumbestattungen geben. Das erklärt der Pastor der St. -Michaelis-Gemeinde, Jürgen Bade. Damit wolle man dem aktuellen Trend und den Wünschen aus der Bevölkerung entsprechen, erklärte er der AZ.

„Für viele ist der Baum mit einem Symbol des Lebens verbunden“, meint Bade, „und es ist für die Menschen eine idyllische Vorstellung, unter einem Baum begraben zu werden.“ Von vielen Menschen aus der Gemeinde, und zunehmend in den vergangenen Monaten und Jahren, sei die Kirche angesprochen worden, dass man sich eine Möglichkeit dieser Naturbestattung wünsche. „Das war schon länger Thema, auch im alten Kirchenvorstand schon“, meint der Pastor. Mitglieder der Gemeinde hätten bereits in den vergangenen Jahren Baumbestattungen für ihre Angehörigen organisiert, diese allerdings in anderen Gemeinden. „Aber die Menschen wollen natürlich nicht zwei Stunden fahren, um zu den Gräbern ihrer Angehörigen zu kommen. Sie wollen eine ortsnahe Möglichkeit für eine Baumbestattung“, so Bade.

Dem hat die Gemeinde nun Rechnung getragen: Zwei alte Bäume stehen bereits auf dem Friedhof der St.-Michaelis-Gemeinde, die für die Baumbestattungen frei gegeben wurden, vier weitere sind bereits gepflanzt worden, eine weitere Pflanzung ist in Planung. Dabei sollen die Bäume unterschiedliche Arten haben aus Laub- und Nadelbäumen.

Und für einen Ruhewald will die Kirchengemeinde nun auch ihren Friedhof erweitern: Sie wird eine südwestlich der Kapelle gelegene Parzelle Land kaufen und plant, dort einen Waldfriedhof einzurichten. Dafür wendet sie sich jetzt an die Kommune: In einem Antrag bittet sie die Einheitsgemeinde Bienenbüttel um finanzielle Unterstützung zu dem Vorhaben. Das Grundstück selbst kostet 5000 Euro, die Anlage von Wegen, Zäunen, Bänken und entsprechenden Bäumen koste weitere 15 000 Euro, so heißt es in dem Antrag. „Die Kirchengemeinde nimmt mit der Verwaltung des Friedhofes eine öffentliche Aufgabe wahr, um eine Begräbnisstätte für alle Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Bienenbüttel zu schaffen. Wir als Kirchengemeinde übernehmen diese Aufgabe sehr gern und engagieren uns dort sehr“, heißt es in dem Antrag.

Die Verwaltung der Einheitsgemeinde wird diesen Antrag in der kommenden Bauausschusssitzung am 21. November diskutieren. In der entsprechenden Vorlage schlägt die Verwaltung den Ausschussmitgliedern vor, den Antrag mit 5000 Euro zu unterstützen. Grundsätzlich sei die Einrichtung eines Ruhewaldes zu begrüßen, es gebe – wie aus vielen Presseberichten zu entnehmen sein – einen offensichtlichen Bedarf. Die Mittel müssten dann in den Haushaltsentwurf 2014 – die Finanzplanung für das kommende Jahr – noch aufgenommen werden. Dieser Haushaltsentwurf wird derzeit in den Gremien der Einheitsgemeinde diskutiert.

Bei dem Waldfriedhof würde es sich laut Kirchengemeinde um einen Wald handeln, unter dessen Bäumen Urnengräber eingerichtet werden würden. Die Kosten stehen laut Marianne Brunhöber, Mitglied im Friedhofsausschuss der Kirche, noch nicht fest. Sie würden sich aber vermutlich etwa im Rahmen eines normalen Rasenreihenurnengrabes bewegen. An den Bäumen auf dem bestehenden Friedhof wären die ersten Bestattungen möglich, sobald die Gebührenordnung angepasst wurde. Die zusätzliche Einrichtung des Ruhewaldes auf der neuen Parzelle hingegen müsste noch von der Landeskirche Hannover genehmigt werden müssen. Brunhöber zweifelt allerdings nicht daran, dass diese Genehmigung erteilt wird.

Von Kai Hasse

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