Weiße Linien und Schraffur für den Gefahrenbereich genügen laut Bahn-Sprecher

Keine Warndurchsagen mehr im Lüneburger Bahnhof

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Warnhinweis im Bienenbütteler Bahnhof. Die Bahn verzichtet ab August auch in Lüneburg auf Warndurchsagen.

stk Lüneburg/Uelzen. „Vorsicht, ein Zug fährt durch!“ Diese Durchsage dürfte bald Seltenheitswert besitzen. Wie bereits zum Teil in Bienenbüttel schafft die Deutsche Bahn diesen akustischen Warnhinweis ab August im Lüneburger Bahnhof ab. Das bestätigt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf AZ-Anfrage.

„Hier tragen wir den gesetzlichen Immissionsschutzvorgaben des Bundes und der Länder zur Einhaltung von Lärmimmissionen Rechnung“, erläutert der Sprecher. „Insbesondere die Anwohner von Stationen sollen vor Lärmbelästigungen, die von Lautsprecheranlagen ausgehen, geschützt werden.“

Der Aufenthalt in unmittelbarer Nähe der Gleise ist nicht ungefährlich. Der ICE ist zudem kaum zu hören, bevor er durch den Bahnhof rauscht. Im hessischen Schlüchtern warf der Sog eines Güterzugs 2015 einen Jungen um. Laut ARD („Kontraste“) ereigneten sich von 2006 bis 2010 54 Unfälle an Bahnsteigen. Dabei kamen 18 Menschen zu Tode.

Ob die Warndurchsagen entbehrlich sind, werde eingehend geprüft, so Meyer-Lovis. Dabei werde das Risiko an den Bahnsteigkanten mithilfe eines Computermodells bewertet.

„Die Reisenden und Besucher der Bahnhöfe werden in diesem Fall vorab durch verschiedene Kommunikationsmaßnahmen wie beispielsweise eine Plakatkampagne informiert“, betont Meyer-Lovis. Auf Nachfrage wird er konkreter: Weiße Linien und Schraffuren markieren den Gefahrenbereich. Zudem gibt es Schilder mit dem Warnhinweis: „Vorsicht schnelle Vorbeifahrten! Gekennzeichneten Bereich erst betreten, wenn Zug hält!“ Wie viele Fahrgäste diese Tafeln bewusst wahrnehmen, ist unklar.

Die Bahn verweist in ihren Stellungnahmen stets auf den Lärmschutz. Einen Hinweis auf ein weiteres Motiv erwähnt der Bahnsprecher am Rande: „Die Ansagen werden derzeit noch von einem Mitarbeiter gemacht.“ Der Verzicht auf die Durchsagen dürfte auch zu Einsparungen führen.

In Uelzen bleiben die Warndurchsagen an den Gleisen derzeit, wie der Sprecher hinzufügt, bestehen. Hier rauscht der ICE mit bis zu 200 Stundenkilometern durch den Bahnhof.

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