Ein Fall am Lüneburger Johanneum

Kein Verbot für christliche Lieder: Kultusministerium äußert sich zu Verzicht an Lüneburger Schule

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Weihnachtslieder dürfen auch weiter in den Schulen gesungen werden. (Symbolfoto)

Lüneburg/Hannover. Weihnachten ist lange vorbei, nicht aber die Diskussion über christliche Weihnachtslieder in den Schulen und konkret am Lüneburger Johanneum (AZ berichtete). Das niedersächsische Kultusministerium stellt jetzt klar: „Ein Verbot zum Singen von Weihnachtsliedern an unseren Schulen gibt es nicht!“

So steht es in der jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage des AFD-Landtagsabgeordneten Harm Rykena (Oldenburg).

Das Ministerium stellt klar, die Gremien des Lüneburger Gymnasiums hätten nicht grundsätzlich entschieden, auf Weihnachtslieder im Musikunterricht zu verzichten. Richtig sei, dass eine muslimische Schülerin im Dezember den Unterricht verlassen habe, als dort Weihnachtslieder gesungen wurden. Der Schulleiter habe den Lehrern daraufhin empfohlen, „aus Rücksichtnahme auf andersgläubige Schüler in solchen Situationen auf religiöse Weihnachtslieder zu verzichten.“

Wie die Schule ihren Bildungsauftrag erfüllen könne, wenn keine Weihnachtslieder mehr gesungen würden, wollte der Abgeordnete Rykena wissen. Im Fach Musik, heißt es in der Antwort, lernten die Schüler ihr kulturelles und historisches Erbe, aber auch das von anderen verstehen. Diese Bildungsziele ließen sich auch mit einer weltanschaulich vielfältigen Schülerschaft an traditionellen Weihnachtsliedern erarbeiten. „In diesem Sinne entspricht auch das Singen von explizit christlichen Weihnachtsliedern im Unterricht nicht der Ausübung einer religiösen Handlung und unterfällt von daher nicht dem Grundrecht auf negative Religionsfreiheit“, teilt das Kultusministerium mit. Laut Verfassungsgericht bestehe auch kein grundsätzlicher Anspruch darauf, von der Wahrnehmung anderer religiöser oder weltanschaulicher Bekenntnisse verschont zu bleiben. „Weihnachtslieder hatten und haben ihren festen Platz in niedersächsischen Schulen.“

Bislang handelt es sich offenbar am Lüneburger Johanneum um einen Einzelfall. Vergleichbare Vorgänge an anderen Schulen seien nicht bekannt. Daher sieht das Kultusministerium keine Notwendigkeit, Handlungsanweisungen oder Empfehlungen zu diesem Thema zu geben.

Von Gerhard Sternitzke

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