Nach EHEC-Erkrankung

Varendorfer Familie kämpft um Kita-Integrationsplatz für Nils

Nils Göthlich aus Varendorf war an EHEC erkrankt. Jetzt soll er mithilfe einer Einzelintegration wieder in die Kita können.
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Nils Göthlich aus Varendorf war an EHEC erkrankt. Jetzt soll er mithilfe einer Einzelintegration wieder in die Kita können.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Bienenbüttel/Varendorf – Hinter Familie Göthlich aus Varendorf liegen schwere Zeiten. Im August 2019 erkrankte Sohn Nils – damals drei Jahre alt – an EHEC. Jetzt kämpfen Mutter Franziska und Vater Ricky dafür, dass Nils einen Platz in der Bienenbütteler Kita St. Michaelis erhält.

Zwei Wochen hängt Nils‘ Leben damals am seidenen Faden. Doch Nils überlebt – und muss nahezu alles neu lernen, weil sein Gehirn angegriffen und das Bewegungszentrum irreversibel zerstört wurde. Nils kommt schließlich im September 2019 in eine neurologische Reha-Einrichtung in Bremen, wo er sich bis heute aufhält.

Doch Mutter Franziska und Vater Ricky kämpfen jetzt dafür, dass Nils noch in diesem Jahr wieder nach Hause kommt und einen Platz in der Bienenbütteler Kita St. Michaelis erhält, die er auch vor seiner Erkrankung besuchte. Die Kita habe sich auch schon dazu bereit erklärt, Nils wieder aufzunehmen, sagt Franziska Göthlich. Es scheitere jedoch an der Gemeinde.

Ständige Betreuung nötig

Denn Nils braucht ständige Betreuung. „Vom Wesen her ist er wieder der Alte“, sagt Göthlich. „Aber er ist schon arg beeinträchtigt. Er braucht bei ganz vielen Dingen Hilfe.“ Daher habe sie beim Landkreis Uelzen eine Einzelintegration für den heute vierjährigen Nils beantragt. Die Gemeinde Bienenbüttel habe den Kitaplatz mit einer Einzelintegration jedoch abgelehnt, da dadurch fünf andere Kitaplätze wegfallen würden.

Für Franziska Göthlich ein Schock. Sie kritisiert, dass bei allem Wohnraum, der derzeit entstehe, vergessen worden sei, auch das Kita-Angebot auszubauen. Die DRK-Kita habe zwar auch eine Integrationsgruppe, diese sei jedoch voll. Und: „Für unseren Nils wäre es eine blöde Geschichte, jetzt in eine andere Einrichtung gehen zu müssen.“ Kitas in Uelzen oder Lüneburg seien wegen der langen Fahrten keine Option.

Dabei sei es nötig, dass Nils in die Kita könne. Während Franziska Göhtlich als Hebamme arbeitet, ist ihr Mann unbezahlt von seiner Arbeit freigestellt, um Nils während der Reha zu begleiten. „Langsam ist das für uns aber nicht mehr tragbar“, betont Göthlich. „Das Ziel ist, dass er die Therapien in der Kita bekommt.“ So benötige Nils weiterhin Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie. Dass sie nicht wisse, wie es jetzt weitergeht, sei belastend: „Das zehrt an den Nerven.“

Kita und Gemeinde wollen helfen

Der Kindertagesstättenverband des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Uelzen fungiert als Träger der St.-Michaelis-Kita. Von der pädagogischen Geschäftsführung äußert sich Sylvia Helms auf AZ-Anfrage. „Es gab seitens der Kindertagesstätte mehrere Telefonate mit der Kindesmutter. Hier ging es vorrangig um die Beantragung der Eingliederungshilfe und um die Möglichkeit einer Aufnahme des Kindes, wenn alle Bedingungen für eine Einzelintegration vorliegen. Dies ist Stand jetzt noch nicht der Fall.“ Zunächst stehe noch ein Verfahren an, „um herauszufinden, welche Hilfen dem Bedarf des Kindes entsprechen.“

Bis dahin werde dem Kind aber ein normaler Kindergartenplatz freigehalten. „Zusammen mit der Gemeinde versuchen wir derzeit eine Lösung für das Kind zu finden, da alle Seiten wollen und wünschen, dass das Kind in der Kita verbleiben kann“, erklärt Helms. Durch die Maßnahme der Einzelintegration würden tatsächlich fünf Kitaplätze wegfallen.

Auch Bienenbüttels Bürgermeister Merlin Franke betont: „Es ist uns sehr daran gelegen, dass wir da eine Lösung finden.“ Beim Land Niedersachsen habe man daher bereits angefragt, ob eine bestehende Gruppe in der Kita um einen Integrationsplatz erweitert werden könne.

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