Hohenzethener verärgert / Bürgermeister pocht auf „einstimmigen Beschluss“

Kahlschlag am Königsweg

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Etwa 220 Bäume seien abgeholzt worden, kritisieren die Hohenzethener. Der Weg sei 1844 gebaut worden, damit König Ernst August von Hannover in sein Jagdschlösschen in der Göhrde kam. Um ihn zu festigen, wurden Bäume gepflanzt – die seien mittlerweile so stark geworden, dass sie den Wall schädigen, sagt Förster Hahlbohm.

Hohenzethen. Stinksauer sind die Hohenzethener. 20 von ihnen stehen auf dem Damm des Königsweges in die Göhrde, um sie herum gefällte Bäume. „Wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte“, „eine Schande“, „Sauerei!“ schimpfen sie.

„Nach Gutsherrnart“ sagt Hans-Joachim Glawe, Anwohner des Königswegs, hätten der Bürgermeister und wenige andere beschlossen, dass etwa 220 Bäume an dem Königsweg gefällt werden.

Ende der vergangenen Woche sei das geschehen, und niemand sei vorgewarnt gewesen, kritisieren die Bewohner. Ortsvorsteherin Heidrun Neumann sei nicht verständigt worden, sagt sie selbst.

Heinz Schulze

Der Beschluss, dass die Bäume gefällt werden sollen, sei innerhalb des Gemeinderates bei einer Begehung des Königsweges einstimmig gewesen, erklärt Bürgermeister Heinz Schulze. „Es ist nicht einer da gewesen, der Einspruch angemeldet hätte“, meint er. Das bestätigt auch Harry Hahlbohm. Hahlbohm ist für die CDU im Gemeinderat und beruflich Förster des Forstamtes Uelzen in der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Auf seinen Rat hin, erklärt der Bürgermeister, sei die Entscheidung für die Fällung der etwa 220 Bäume gefallen. Die kräftigen Bäume, die am Rand des befestigten Walls standen, hätten den Wall geschwächt, erklärt er. Wird ein Baum vom Wind geschüttelt, arbeiten auch seine Wurzeln im Boden und bewegen ihn. „Je größer die Bäume sind, desto größer ist auch diese Wirkung“, meint Hahlbohm. Und so hätte diese Art „Brechstangen“-Wirkung von Wurzel und Baumstamm den Wall geschwächt.

Ekkehard Josts Version ist anders: Er, Grünen-Ratsherr im Gemeinderat, habe bei einer Gemeinderatssitzung auf dem Königsweg garantiert nicht dafür gestimmt, dass die Bäume wegkommen. „Dazu“, sagt er, „gab es definitiv keinen Ratsbeschluss.“ Schulze hingegen ist sich sicher, dass auch Jost dabei war. So steht es Aussage gegen Aussage: Der Termin sei etwa eineinhalb Jahre her, meint Schulze. Ein Protokoll gebe es aber nicht.

Die Dorfbewohner haben inzwischen Unterschriften gesammelt. 40 Stück sind bis gestern zusammengekommen. Darin wird die Gemeinde aufgefordert, den Weg in seinem landschaftsprägenden Charakter wieder herzustellen. Ortsvorsteherin Neumann will nun zusammen mit ihren Dörflern nach vorne blicken. „Diese Aktion war unsensibel, und für mich nicht nachzuvollziehen, aber nun ist es geschehen. Wir wollen nun verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Und wir erwarten, dass das hier aufgeforstet wird“, sagt sie. Dass sie nach eigenen Angaben nicht informiert gewesen ist über eine Aktion, die die Hohenzethener aufrütteln würde, steckt ihr sichtlich in den Knochen.

Schulze lenkt etwas ein: Man hätte Bescheid sagen können. Und es sei bereits von der Gemeinde aus vorgesehen, neue Bäume zu pflanzen.

Von Kai Hasse

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